Was sonst noch zählt …

Es sollte wieder eine Woche der Nepal-Vorfreude werden. Und es wurde … immerhin das Anschauen der Film-Doku über das Volk der Chepang, die Michele in seinem Blogbeitrag empfohlen hatte. Ja, sehr sehenswert, danke für den Tipp, Michele! Welche Dimensionen liegen zwischen meinem Knabbermix- und Trollinger-Abend und dem nepalesischen Familien-Elternpaar von sieben Kindern, das in der Lehmhütte im abgelegenen Bergland von Nepal um die tägliche Schale Reis für ihre Familie kämpft.

Ansonsten wieder eine Woche nach dem Motto, es gibt ein Hier und Jetzt, mit spannenden Aufgaben im häuslichen Bereich. Und den entscheidenden Fragen dazu: Ein Beispiel: Haben Marder in unserem Garagendach ein Existenzrecht, auch wenn deren Fäkalien bereits unsere Wand zwischen Garagendach und Haus hinunterlaufen? Ich kenne die Antwort, aber ich darf sie nicht aufschreiben … Und wie schön können stundenlange abendliche Innenausbau-Arbeiten an Gabys Verkaufswagen bei -7 Grad Außentemperatur sein … das Erlebnis dazu war immerhin, heute auf einer Durchreise in Nürtingen noch einen Feuerwehr-Zugwagen für den Verkaufswagen anzuschauen … Gaby wurde nicht müde zu sagen, nur anschauen, nicht kaufen … Näheres später 🙂 …

Und für die treuen Leser/-innen dieses Blog sei gesagt, das geplante Probeliegen mit den Schlafsäcken am letzten Wochenende bei authentischen Temperaturen im Partyraum außen am Haus fand wegen Krankheit nicht statt … Wiederholung in den verbleibenden Wintertagen gerne … wenn nur nicht der „zarte“ Duft der Marderaktivitäten den Partyraum durchziehen würde … gibt’s eigentlich Marder in Nepal?

 

 

 

 

 

 

 

Everest Base Camp Duffel

B7FCC885-314A-40AC-8E3D-8E5053D91394Nein, wir gehen nicht auf den Mt. Everest. Wir gehen auch nicht bis ins Base Camp. Wir bleiben auf unserer Khumbu-Tour im Dreieck Namche Bazaar-Thame-Tengboche/ Dingboche, wo es meist eine einfache, aber eben doch noch eine Infrastruktur gibt (oder geben soll, was weiß ich schon?).

Klar, der Mt. Everest hat seinen Reiz und der gleichnamige Film von 2015 zeigt in tollen Bildern, welches Suchtpotential der Everest hat und welche Gefahren eine 4C25FC97-398E-4784-855C-2B2286B0C2CFBesteigung birgt, heute noch genauso wie im filmisch umgesetzten Katastrophenjahr 1996. Die ersten Minuten des Films sind wie ein Schnelldurchlauf unserer Tour. Ankunft in Kathmandu, Flug nach Lukla, die Hillary-Brücke, die Ankunft in Namche, der Besuch im Kloster Tengboche…und immer mal wieder ein Blick auf den Mt. Everest.

Das Verlangen, den Mt. Everest zu bezwingen oder ihm ganz nahe zu sein, hat sich zwar durch diesen Film nicht verstärkt, aber den produktplatzierenden Marketingstrategen bin ich doch auf den Leim gegangen. F0E834ED-2853-4695-B151-2866BB44D6FCDie Ausrüstung für einen Trek im Himalaya muss in eine Duffel-Tasche. Davon gibt es viele, Helly Hansen, Patagonia, The friendly Swede usw. Sogar unsere Reiseagentur bietet eine Duffel an.

Und dennoch gibt es eine Marke, die ihre Duffel eben nach dem Mt. Everest benennt und damit natürlich impliziert, für etwas ganz Großes zu taugen. Die Duffel-Tasche hat ihren Namen von der belgischen Stadt Duffel, deren Textilindustrie einst einen schweren Wollstoff für Armeemäntel und Seesäcke herstellte. Heute sind die Taschen gefühlt aus LKW-Plane, farbenfroh, wasserdicht, strapazierfähig und in unterschiedlichen Größen erhältlich. 589A963A-B785-4B0A-8BD8-988703238C60

Und damit beginnt Phase 2 der Vorbereitungen, denn ab heute gibt es neben der Gepäckbeschränkung in Kilogramm noch eine in Liter. Aber das ist ein Thema für einen weiteren Blog. Denn alles, was in diese The North Face Everest Base Camp Duffel nicht passt, bleibt hier.

Probeliegen

Je intensiver eine typische Arbeits- und Alltagswoche eines deutschen Sherpas wie mir voranschreitet, desto intensiver entstehen die Gedanken an das bevorstehende, im ersten geistigen Angesicht als frei daherkommende Wochenende. Jetzt aber echt mal … ausbrechen … und erleben statt erledigen … und so.

Dann der Theorie-Praxis-Transfer: Ich frag‘ Michele, ob er mit mir von Samstag auf Sonntag draußen vor dem Haus im Wohnwagen bei … na ja, so … 0 Grad im Schlafsack und auf Schaumstoffmatratzen übernachtet. Eben so wie in den Lodges in Nepal auf 4.400m im Oktober. Er so, und ich hör‘ den tiefen Seufzer durch den Social Media Kanal: Ich werd‘ mich dieser Idee ergebnisoffen annähern. Ich so: Ich leg‘ einen drauf: Typisch nepalesisches Frühstück am Sonntag morgen. Reis und Linsen, rote, gelbe, schwarze. Er so, und das heute abend, so kurz vor dem point of no return, „ich huste“ … Ich so, oh nein … Wir könnten echt eine Challenge daraus machen, er mit seinem 2018er-X-treme-Polar-Schlafsack-Teil und (ich wette) schon gekaufter Merino-Unterwäsche gegen mein 80er-Retro-Exemplar, höchstens mit Retro-Trainingshose, nach dem Motto, wer friert (als erster) … Michele meint, wenn mein Schlafsack schon keine Komfort-Zonen-Definition am Etikett hat (hat er nicht), dann sollte er doch wenigstens 500 – 700 cuin haben. Whatever it is, aber die erhoffte empirische Studie hätte es belegen können. Nun, ich bin gespannt, morgen ist erst Freitag, und wie schnell kann ein Husten vergehen …

Chepang

Gibt man auf Google Chepang ein, bietet die Suchmaschine zuerst die Dokumentation „Chepang-Nepals vergessene Ureinwohner“ in der 3sat bzw. ZDF-Mediathek an. Diese sehenswerten 30 Minuten über die Arbeit von Daniela Jährig und Steffen Schöley, den Initiatoren von LiScha Himalaya e.V., zeigen eindrucksvoll die Lebensumstände der Chepang, die vor gut 50 Jahren in die Region Kankada zwangsumgesiedelt wurden. Die dazugehörige Internetseite bietet Hintergrundinformationen und beeindruckende Bilder vom Volk der Chepang.

LiScha Himalaya folgt bei den Treffern zu Chepang gleich hinter der englischen Wikipediaseite, die allerdings wenig Neues bietet.

Danach kommen die Treffer zu Chepang, einer nepalesischen Metalband, die sich dem Grindcore verschrie(be)n hat. Die angebotenen Snippets dieser Band sind laut, mäßig melodiös und der Gesang ist wie für Grindcore typisch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Eine internationale Fangemeinde scheint diese Band aber zu haben…auch wenn ich nicht dazu gehören werde.

Die Deutsche Welle brachte 2015 ein Interview mit der deutschen Kulturwissenschaftsstudentin Milena Rabe, die zur Zeit des Erdbebens die Navodaya-Schule besuchte. Sie war dort, wo wir im Oktober sein werden.

Unsere Internetseite der katholischen Kirchengemeinde Heilig-Geist, die mit der Navodaya-Schule direkt verlinkt ist, kommt gleich nach der Deutschen Welle und schafft es zum Thema Chepang auf die erste Seite von Google! Das ist schön und auch ein wenig beeindruckend, es zeigt aber auch, dass das Schicksal der Chepang im großen Weltengefüge ein Schattendasein fristet. Umso wichtiger, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Navodaya-Schule weiter unterstützen und somit jährlich über 200 Kindern einen Schulbesuch ermöglichen.

Navodaya School

 

Kleine Schritte

… der Erkenntnis, der Vorbereitung und auch des Umblätterns eines weiteren Kalenderblatts im Hinblick auf unsere Nepal-Trekking-Tour. Noch 251 Tage …

Ein Schritt der Erkenntnis: Eine sehenswerte Dokumentation auf Arte vom letzten Samstag über den „gefährlichen Weg zum Mount Everest“, abrufbar auch über die Mediathek

https://www.arte.tv/de/videos/070801-000-A/der-gefaehrliche-weg-zum-mount-everest/

Die Erkenntnis ist: Wie gut, dass wir uns gegen das Basislager und für die „Khumbu-Tour“ rund um oder entlang des Mount Everest entschieden haben. Denn, was für eine Personal- und Materialschlacht in den verschiedenen Basislagern! 6 Chinesen, die auf den Gipfel des Mount Everest wollen, beanspruchen neben Yak-Lasttieren und tonnenweise Material auch 60 (!) Mann Expeditionsteam (Sherpas, Orga, Logistik) … was‘ ein Wahnsinn. Und von Tibet aus kann man mit dem Bus bis ins erste Basislager auf 5.400m fahren …

Ein Schritt der Vorbereitung: Ich hab‘ heute meinen Reisepass bekommen (Michele, durchatmen … 🙂 ).

Ein Schritt in Form des Umblätterns eines weiteren Kalenderblatts: Es ist das vierte, seit Michele und ich den Entschluss zu dieser Reise gefasst haben. Es ist jetzt Februar, und wenn auch das manchmal schwer erträgliche Grau-in-Grau dieses Winters die Emotionen unter Verschluss hält, so blitzen sie in Augenblicken des Tages und der Wochen immer wieder durch. Es gibt ihn und er lebt fort, der Traum von dieser Nepal-Reise. Und der Traum von einem grandiosen und so grenzenlos anderen Landschaftserlebnis abseits der Alltags-Erledigungsmühle … mit einem besten Freund als Reisepartner … es war und ist eine gute Entscheidung!

 

Feedback

Es ist interessant, unschwäbisch gesprochen: faszinierend, zu erleben, wieviele und welche positiven Rückmeldungen mir entgegengebracht werden, wenn ich bereits jetzt geschäftliche Termine für Oktober 2018 unter Verweis auf unsere Nepal-Reise absagen muss.  Ehrlicherweise muss ich sagen, maßgeblich von Männern meiner Wellenlänge und Altersklasse … was mir umso mehr zeigt, wie richtig die Entscheidung für diese Nepal-Trekking-Tour war. Und wie wichtig es ist, nach so viel Erreichtem und nach Jahren des funktionalen Hinwirkens auf das Erreichte dem Alltag auf diese Weise ein Schnippchen zu schlagen.

A propos schwäbisch: Heimat tut auch in Nepal gut

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-goeppingen/scho-g_hoert_-schwardamaga-am-everest-18653075.html

Grüße an Martin Söll aus unserem (Fast-) Nachbarort Treffelhausen!

Erledigungen und Erlebnisse

Alltag in Deutschland mit Engagement in Familie, Beruf, Nebenberuf, Freizeit und Hereinbrechen unabdingbarer Sonstwie-Einflüsse ist nur mit einem Grundgerüst an Struktur gut zu bewältigen.

Diese Struktur vom Tag, den Plan und die Vorstellung bilde ich mir anhand meines (analogen!) DIN A5-Kalenders, in den ich in den ersten Minuten des morgendlichen Arbeitstages gemeinhin 20 Erledigungen aufschreibe. Im letzten Jahr waren es 25, hier wirkt sich (noch) einer der Vorsätze für’s neue Jahr aus … Ein weiterer Vorsatz für 2018 ist, mir neben Erledigungen wenigstens ein Erlebnis pro Tag vorzunehmen, aufzuschreiben und vor allem auch umzusetzen. Geprägt hat mich insoweit ein Lied von Annett Louisan aus einem Konzert aus 2017, „Alles erledigt (aber nichts erlebt)“.

Die „20+1“-Formel funktioniert bis jetzt … wobei es nicht immer einfach ist, sich morgens hinzusetzen und sich ein Erlebnis vorzunehmen … dem Alltag ein Schnippchen schlagen, das ist das Ziel. Aber wie? frage ich mich nicht selten …

Was mich an der bevorstehenden Nepal-Tour (u.a.) so fasziniert ist: Es gilt auch hier eine „20 + 1“-Formel. Nur umgedreht. 20 Erlebnisse pro Tag, und 1 Erledigung. Die Erledigung ist im Wesentlichen das Trekking von A nach B, z.B. von Khumjung nach Tengboche am 22.10.2018 … der Rest sind pure Erlebnisse …

Was für eine Vorstellung …

Und das Beste ist: Ich kann das, was ich erleben werde, nicht einmal vorher ausdenken oder aufschreiben …

Ich wollte heute abend über den Sturm und die 5 Grad draußen vor meinem Fenster schreiben, und dass uns Selbiges in Nepal genau so passieren kann … nur mit dem Unterschied, dass wir draußen statt drinnen sind … aber am Ende wäre die Seele dabei nicht halb so erwacht und erwärmt wie wenn ich über nicht auszudenkende Erlebnisse schreibe 🙂 …

 

Vintage Trekking

Da wir „schon“ in 274 Tagen nach Nepal fliegen, war es auch für mich höchste Zeit, die Packliste mit meinem vorhandenen Hab und Gut abzugleichen …

Und siehe da, ich hab‘ fast alles …

Michele reist im 2018er-Outfit, und bei mir wird’s ein Vintage-Look in bunten Farben. Der Schlafsack (von VauDe) ist aus einer Zeit, in der es am Etikett noch keine Einteilung in Komfort- und Risikozonen gab. Aber ich vertraue ihm (dem Schlafsack), den hab‘ ich Anfang der 90er mit weniger Fettpölsterchen um die Rippen eine Woche lang im Winterzeltlager bei dauerhaften Minusgraden probegelegen (und überstanden). Das Meiste ist „Made in Western Germany“, außer der norwegische „einseitge Faserpelz“ von Helly Hansen, gekauft und getragen von meinem inzwischen verstorbenen Vater schon in den früher 80ern auf legendären Bewegungssport-Bergtouren. Nicht zu unterschätzen auch die ultimative Retro-Klepper-Jacke, wie so vieles auch von meinem Vater, mit überraschend moderner Handytasche.

Ich bin sehr zufrieden, mit dem Zeug sind mein Vater und ich  in den 80ern schon auf 3-4000ern in den Alpen gewesen, das hält sicher auch heute noch jedem Nepal-Test stand … „Wanderschuhe knöchelhoch“ steht noch in der Packliste … na ja, meine sind steigeisenfest, halb kniehoch und so etwa 3 Kilo schwer, aber komm‘, was soll’s …

 

Selbst Rucksäcke hab‘ ich in allen Größen. Fehlt also nur noch die Merino-Unterwäsche, das (der?) Buff und der Riesling in Pulverform zum Auflösen in Wasser … für lange kernige Männerabende in ehrlichen Unterkünften (die heißen da Lodges) im Himalaya  …

 

 

Meine Antwort auf das Warum

Die Antwort ist mehrschichtig, okay, ich versuch’s:

  • Es gab Jahre in meinem Leben, in denen ich gen Westen orientiert war, v.a. nach Mittelamerika. Der Osten, konkret Indien, war auf meinem Radar, die Vorbereitungen waren angelaufen, dann wurden andere Ideen und Visionen (Familie) bestimmend … ein Jahr Georgien war das Östlichste, was ich bisher kennenlernen durfte. Weiter östlich ist Aufbruch zu neuen Ufern …
  • Die Zeit ist die richtige: 50 Jahre Lebenszeit ist der richtige Moment, um innezuhalten, zurück- und vorauszublicken. Nepal füllt unbedingt die Kategorie vorausblicken, und vor allem: nicht stehenbleiben … , zumal in ärztlich bestätigter relativer Gesundheit … das kann nur heißen: losgehen.
  • Rückendeckung und -stärkung: Meine beste Ehefrau der Welt ist, obwohl sozusagen „nur“  Follower, ist Feuer und Flamme für das Projekt, was mir in hundertfacher Weise und in allen Belangen den Rücken stärkt: Kinder versorgt, Alltag organisiert, sogar Blogging-Forum eingerichtet … ich muss als Gegenleistung nur einen Tanzkurs mitmachen, das ist eine vergleichsweise akzeptable „Sanktion“ …
  • Den besten Freund und Mitstreiter, insbesondere (aber nicht nur) für das Projekt: Michele ist mein Vor- und Mitdenker, mein Inspirator und Anpeitscher, mein Faszinator, mein Schicksalsgenosse im künftigen Merino-Unterwäschen-Partnerlook …  raus aus dem gewohnten Komfortzonen-Alltagsleben, hinein in Erfahrungen, von denen wir nicht mal selbst genau wissen, wie sie auf uns wirken werden …
  • Und nicht zuletzt: Was können solche weinseligen Abende mit besten Freunden doch für eine horizont-erweiternde Bedeutung erlangen … und wie schön ist das Gefühl, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, anstatt dass der Alltag einen funktional an die Hand nimmt …
  • Noch Fragen? 🙂