WineTime – Framus Cutaway

500 Kilometer sind es nach Essen. Essen im Ruhrgebiet. Das Navi bringt uns zielsicher, aber nicht schneller, in das Zentrum von Essen ins Motel One. Am nächsten Tag fahren wir nach einem langen Frühstück und einem kurzen Spaziergang durch die City zu Bernd.
Der 1955 Framus Cutaway

Mein Favorit ist ein Framus Cutaway Bass aus den 50-er Jahren. Genauso spannend wie sein Aussehen ist seine Geschichte, die 1917 mit der Geburt von Fred Wilfer bei Schönbach im ehemaligen Sudetenland (Tschechien) beginnt. Schönbach (das heutige Luby) war seit dem 17. Jahrhundert ein Zentrum des Geigenbaus und wurde in einem Atemzug mit Cremona, der Heimat Stradivaris, genannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiten in Schönbach über 1.500 Menschen im Instrumentenbau, der allerdings mit dem Kriegsende ein jähes Ende nimmt, als die überwiegend deutsche Bevölkerung zuerst enteignet und später vertrieben wird. Fred Wilfer gelang es in den Nachkriegsjahren 2.000 Schönbacher nördlich von Erlangen in Bubenreuth anzusiedeln und 1946 die Fränkische Musikinstrumentenerzeugung Fred A. Wilfer KG – kurz Framus – zu gründen. Bis zum Konkurs 1977 war Framus die größte Gitarrenfabrik Europas, baute aber auch weiterhin klassische Streichinstrumente. Obwohl die Nachfolgefirma Warwick 1995 inkl. der Namensrechte an Framus in den Musikwinkel nach Markneukirchen (Vogtland) umzog, gibt es in Bubenreuth heute noch Handwerksbetriebe für Musikinstrumente. Ein spannendes Stück deutscher (Wirtschafts-)Geschichte und unbedingt lesenswert. (https://de.wikipedia.org/wiki/Framus), (https://www.bubenreutheum.de), (https://www.framus-vintage.de/de/modules/modells/modells6273.html)

Bernd kommt uns mit einer Tasse Kaffee entgegen und hat den Bass für mich schon nach vorne gestellt. Er sieht in echt noch besser aus als im Netz und auf seiner virtuellen Stirn steht RocknRoll. Das Sunburst-Finish sieht klasse aus und die kleinen Kratzer und Macken sind Zeugen seines „Rentenalters“. Mit den aufgezogenen Darmsaiten slappt Bernd den Framus kurz an und es ist sofort klar, dass dieser Bass unmöglich in den Ruhestand gehen darf. Im Vergleich zum störrischen Bass der Musikschule fühlen sich Saiten und Saitenlage des Framus super an. Was ein Unterschied. Ich zupfe auch noch an einem Kay-Bass von 1939 mit Sensicore-Saiten und auch dieser groovt richtig los. Ich merke, dass die Saiten zum Bass passen müssen und dass Bernd weiß, was zueinander passt (http://www.kontrabassist.com/kontrabaesse-und-zubehoer/kontrabass-saiten/index.php).

Der 1963 Cadillac

Bernd zeigt mir noch die Bässe, die er sich hat bauen lassen. Richtige Brummer, die auch unverstärkt Betrieb machen. Auf seiner ersten Eigenanfertigung haben Peter Kraus, Shakin‘ Stevens, Lee Rocker (Stray Cats) und Bryan Adams unterschrieben, mehr RocknRoll geht fast gar nicht.

Wir lernen Bernds Frau Yil kennen, die es aus Stuttgart ins Ruhrgebiet verschlagen hat und verquatschen fast drei Stunden. Bernd kennt The Cash aus Ulm und happy six aus Waghäusel, die Rockabilly-Community ist überschaubar groß. Ich bekomme noch Tips zu Tonabnehmern, suche mir eine Tasche aus und Bernd schenkt mir noch eine CD seiner Mobile Jukebox. Mobil und unverstärkt seien sie meist unterwegs, aber richtig Lust hätte er mal wieder auf Bühne und Strom. Das kann ich gut verstehen. Beim Verabschieden öffnet Bernd noch kurz die Garage und zeigt mir seinen cremefarbenen 1963-er Cadillac. Ein ellenlanges Gefährt in bestem Zustand. Jetzt bin ich für klassische Autos definitiv der falsche WineTimer, aber dass dieses Schmuckstück zu RocknRoll passt ist unstrittig.

Die Mobile Jukebox CD

Wir packen den Framus Cutaway Bass aus dem Jahr 1955 in einen ganz und gar normalen Volkswagen und machen uns auf den Heimweg. Ich habe bei diesem Bass ein sehr gutes Gefühl und reihe mich jetzt in die Riege der Framus-Besitzer ein. Die Liste von Musikern, die auf Framus Gitarren und Bässen spielen oder gespielt haben ist Verpflichtung genug, diese Herausforderung anzunehmen und bietet genug Stoff für einen eigenen Artikel.

WineTime – Der Kontrabass oder Corona ist Mist

Boogie Woogie – bloß weg

Es war halt nicht meins. Natürlich ist das Klavier ein schönes Instrument und nachdem wir in Oberschwaben eines zuhause hatten, war der Weg zu Klavierstunden nicht weit. Der langjährige Dirigent des Musivereins Stadtkapelle Bad Waldsee Günter Kuno und meine Deutschlehrerin Frau Fleischer gaben sich alle Mühe…im Gegensatz zu mir. Ich erinnere mich an ein lindgrünes Notenbuch mit Bachstücken und an ein blaues Heft mit Boogie-Woogie, aber an die Melodien nicht mehr. Nicht eine.
Dem Umzug nach Leonberg 1979 folgte ein Vorspiel an der örtlichen Musikschule, um mich für einen der begehrten Plätze für Klavierunterricht zu qualifizieren. Ich spielte ein Stück von Bach aus dem lindgrünen Buch. Das Ergebnis war Warteliste mit wenig Aussicht auf ein kurzfristiges Nachrücken. Aber, so wurde mir mitgeteilt, meine Größe und Statur seien prädestiniert für Kontrabass, ob ich nicht…? Wollte ich nicht. Wie cool ist Kontrabass mit 13? Eben.

Vierzig Jahre später spiele ich Bass. Akustisch und elektrisch. Nicht besonders gut, aber doch mit einer gewissen Leidenschaft und auch mit dem Drang zum gelegentlichen Üben. Klar, Sting spielt besser, Bryan Adams auch, Paul McCartney sowieso, eigentlich spielen alle besser. Aber nicht alle spielen Kontrabass! Wie cool ist Kontrabass mit 54? Eben. Die Schnupperstunde in der örtlichen Musikschule war fix organisiert, das Formular für ein paar Abostunden heruntergeladen und der Leihbass für die Sommermonate gebucht und mit nach Hause genommen…check. Bereit für Oktober 2020!
Die Hülle des Leihbasses riecht „eingesperrt“, fristete sicher im fensterlosen Lager der Musikschule ein trauriges Dasein. Dem 3/4 Kontrabass selber fehlt am Stachel der Gummipfropfen, der Abstand der Saiten zu Griffbrett ist immens groß und auf Arco (Bogen) aus- bzw. eingerichtet, das ganze Instrument „schreit“ Schülerbass für den klassischen Einsatz. Keine optimalen Voraussetzungen für einen motivierten Schüler, der RocknRoll und Swing zupfen möchte. Einen Schüler mit einem gewissen finanziellen Spielraum. Ich könnte doch mal schauen…

Wo kauft man einen Kontrabass? Die Musikalienhandlung mit dem t (sprich d) im Namen preist ihre Bässe ab 600 Euro an…Klimakammerholz aus Rumänien, industriell gehärtetes Holz als Griffbrett, um die Ebenholzwälder zu retten. Schön und gut, aber das ist doch etwas fad. Ein Geigenbauer vielleicht? Vom Schwarzwald bis nach Mittenwald bieten einige wenige, aber dafür wirkliche Künstler vollmassive Meisterbässe an…ab 12.000 Euro. Das Thema „gewisser finanzieller Spielraum“ hat sich damit erledigt.
In den Kleinanzeigen auf ebay tummeln sich die Privatverkäufer – gebrauchte Kontrabässe von „reparaturbedürtig“ bis „spielfertig“, von 1.000 bis 9.000 Euro, die Informationen in den Anzeigen unvollständig bis zweifelhaft. Keine Chance für einen Laien.

B&B mal anders – Bässe bei Bernd

Irgendwann taucht in einem Internetforum der Name Bernd Eltze auf. Als Berufsmusiker hat er eine Homepage, die sich über google leicht findet (www.kontrabassist.com). Die Bildergalerie ist ein Eldorado für alle RocknRoller und alle Vintage-Bands, die sich der Musik der 50-er und 60-er verschrieben haben. Links am Rand taucht die Rubrik „Gebrauchte Bässe & Zubehör“ auf…bingo. Acht oder neun Bässe stehen zum Verkauf, in Holz, in Sunburst, in ungewöhnlichen Lackierungen. Alle mit Steckbrief, alle mit Charakter, alle spielfertig. Ich habe sofort einen Favoriten, zwei andere in der engeren Wahl, und schicke das Formular einfach mal ab.

Nach 30 Minuten klingelt das Telefon „Hallo, hier ist Bernd, Du suchst einen Bass?“. Ich lerne im folgenden Telefonat mehr über Bässe als während der Internetrecherche der letzten Wochen. Ich lerne aber auch, dass Corona für einen Berufsmusiker ohne Auftritte großer Mist ist. Der Verkauf von Teilen seiner Sammlung geschähe „nicht ganz freiwillig“, aber ich wäre herzlich willkommen, mir die Bässe mal anzusehen und probezuspielen.
Als die beste Ehefrau der Welt aus dem Büro kommt, sage ich „Schatz, wir fahren nächste Woche nach Essen“. „Welches Restaurant?“. „Schatz, nicht zum Essen, nach Essen!“. „Welches Essen?“. „Essen im Ruhrgebiet“.

Don’t look down, just look up

Oh mein Gott….Tag 98 in der Krise. Krise! Wie unglaublich mir dieses Wort auf die Nerven geht – gleich gefolgt von „Dynamische Entwicklung“ und „Aktuelle Lage“. Dazu noch ein kreatives Kreis-Piktogramm als Stecknadel-Kissen garniert und ich bekomme Kopfschmerzen. Ich kann es nicht mehr hören, kann nicht mehr darüber nachdenken, und weigere mich, weiter Sondersendungen und Live-Streams zu schauen! Die C*Krise ist einfach nur noch lästig wie ein Kaugummi am Schuh. Genauso wie der feuchte Geruch einer baumwollenen, doppelt genähten Mund-Nase-Maske. Oder Lockerungen. LOCKERUNGEN!! Sie sind es, die mich eigentlich fertig machen. Lock-Down war hart…keine Frage! Aber es war alles klar. Für viele Tage am Stück….ging einfach NICHTS! Und das galt für ALLE! Und das war seine paradoxe Weise GUT!! Eine klare Ansage – ohne wenn und aber.

Heute regiert keine C*Krise mehr unser Leben, sondern es herrscht nur noch das volle C*Chaos!!! Ich bin nur noch dauerflexibel und  multitasking am permament umstrukturieren. Alles ist alle zwei Tage  irgendwie anders…keiner weiß mehr, wann er sich wo mit wem unter welchen Bedingungen treffen kann. Fußball ja, Chor nein, draußen…äh…ja, wie viele? drinnen nur Kännchen, Schule 14-tägig, ansonsten nur Mittwoch und  Freitag und Web-Konferenzen jetzt nur noch über Zeams und nicht mehr über yellow stripe….ich blicke nicht mehr durch. Dazu habe ich  im letzten halben Jahr noch mindestens 25 neue Accounts auf Plattformen angelegt, denen ich aus Datenschutzgründen nie beitreten wollte, und die Reproduktion wahllos vergebener Passwörter fegt mir nun täglich als kalter Brainstorm durchs Hirn. Ich bin müde vom DauerkreativlösungenimChaosfinden und seeeeeeeehne mich nach Beständigkeit, Regeln ohne Ausnahmen und Freunde ohne Abstand.

Dabei ist alles so sinnvoll! Und richtig! Wir haben DISTANZ gehalten, HÄNDE gewaschen, NIES-ETIKETTEN eingehalten und kennen eine nie da gewesene Gelassenheit beim Schlange stehen. Wir haben mit „nichts tun“ einfach unglaublich viele Menschenleben gerettet und eine Katastrophe verhindert! Aber es fühlt sich nicht so an…weil der Sturm ausgeblieben und erstmal an uns vorbei gezogen ist. Und ich sehe es ein und genieße es ja auch, dass wir unsere Lebensbereiche jetzt wieder öffnen. Ändern. Eine neue Mitte finden. Eine ungekannte Normalität einzieht. Wir können stolz auf uns sein….auch wenn zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Meine krisengeschüttelten Gefühle peitschen nur noch und ständig zwischen „Gebt mir mein altes Leben zurück!“ und „Auf in ein neues Zeitalter!“ wild aus!

Tanzpaar

Aber jetzt nicht stehen bleiben!! Etwas orientierungslos fühle ich mich im Krisenchaos. Kleine Schritte machen, aber weitergehen – das ist das einzige, was hilft! Kleine Schritte machen, auch wenn mir keiner sagen kann, wohin der Weg geht. Das Geschaffte nicht aufgeben, nur weil es unglaublich nervt! Das Gelernte nicht ignorieren, nur weil es unbequem ist. Nehmen wir eine neue Routine mit, aber lassen wir uns nicht von unseren Plänen und Träumen abhalten. Also Kopf nach oben! Heiratet! Singt! Tanzt! …und beachtet die Hygiene-Regeln 😉

…wenn du nur lächelst

Jetzt ist es soweit. Die Maskenpflicht kommt. Es ist beschlossene Sache, das ab kommenden Montag beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ich habe diese Entscheidung gefürchtet. Die C*Krise rückt sichtbar näher. Tag 40.

Die letzten Tage spüre ich immer öfter, welche Spuren 5 Wochen Shutdown in mir hinterlassen. Gefühle durchbrechen bei kleinster Regung unerwartet und ohne Hürde die vermeintlich stabile Fassade. Ohne Zukunft und langfristige Perspektive zu leben, erschüttert mich zusehends. All‘ die Dinge, auf die ich mich oft schon lange Zeit gefreut habe… nichts davon wird stattfinden. All‘ die großen und kleinen Träume… gefühlt muss man ständig alles beerdigen. Sich vertrösten, verarzten auf irdendwann. Kopf hoch, weitermachen. Lächeln. Es wird schon. Irgendwann. Nach der Krise. Es wird schon.

Eigentlich darf ich nicht jammern…die ersten Lockerungen werden diskutiert und wir haben, rückwirkend betrachtet, die ersten 5 Wochen gut überstanden. Doch es ist auch klar, dass es dabei nicht bleiben wird. Der konsequente Kontaktverzicht kann nicht unendlich in die Länge gezogen werden. Die Wirtschaft ächzt unter dem Druck und noch viel mehr lechzen die Menschen nach einer Umarmung und Fürsorge und einem Lächeln. Nach Hoffnung. Einer meiner Horror-Vorstellungen in dieser Krise ist in einem der eingerichteten Not-Krankenhäuser zu liegen, vermummt und schwer krank auf einem Feldbett. Um mich herum nur Vermummte, die verzweifelt und mit letzter Kraft die vielen Kranken versorgen wollen, aber nicht können. Fremde Augen schauen mich aus Ganzkörper-Schutzkleidung an. Der Mund ist nicht zu sehen. Worte schlecht zu verstehen. Kein Lächeln. Dann zu wissen, dass keiner kommen wird, um auch nur kurz bei mir zu sein, meine Hand zu halten, mir ein aufmunterndes Lächeln zuzuwerfen… unmenschlich die Vorstellung, dass Menschen hier, in Italien oder irgendwo anders auf der Welt so mutterseelenallein sterben mussten. Das kann nicht richtig sein. Hinter dem Haus steht der Kühlwagen.

Deswegen fühlt sich dieser Mundschutz auch für mich nicht gut an. Ich verstehe, dass er sinnvoll ist. Vernünftig. Aber ich sehe so gerne ein herzhaftes Lachen, ein verschmitztes Lächeln, eine beleidigte Schnute, eine aufgeregt zitternde Unterlippe, ein nervöses Knabbern, kleine, traurig hängende Mundwinkel, einen verstohlenen Kuss! Das alles bleibt nun an Gefühlen und Menschlichem dahinter verborgen. Deswegen werde ich jede verdammte Gelegenheit nutzen, bei der ich anderen Menschen eine Freude, ein Lächeln schenken kann. Auf dem Markt. An meinem Wägelchen beim Blumen verkaufen, beim Einkaufen-helfen, beim Gottesdienst filmen, beim Masken nähen. Nichts wird uns abgenommen, von dem was kommen wird. Aber wenn es einen Moment voll Hoffnung und Licht bringt, dann ist es gut. Dann lasst es uns machen und lächelt!

Nähanleitung Mundschutz

Lose your blues

Juhuuuu….Geburtstag!! So klingt es derzeit NICHT, wenn das zweitbeste Jahres-Ereignis nach Weihnachten vor der Tür steht… eher ein bisschen krumpelig schielt man auf eigentlich frohe Ereignisse in Zeiten der C*Krise. Tag 22.

Ich frage mich, warum viele aus meinem Freundes- und Familienkreis im März und April Geburtstag haben… in diesen Tagen habe ich Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken. Meine Lieblingshypothese ist ein sehr schöner und kurzweiliger Urlaub unserer Eltern im „Sommer davor“, aber was wissen wir schon? Gesichert ist lediglich die Sache mit den Blümchen und Bienchen 🙂

Sunshine

Puh, dieses Jahr ist es mit den Geburtstagen allerdings wirklich schwierig… Zum einen fällt dank dem Fasten sozialer Kontakte die Party – vom Kind bis zum Greis – einfach aus. Ob der verdiente 70. Geburtstag oder der sehnlichst erwartete 16. … die Krise verschont keinen. Zum anderen ist derzeit auch gar niemandem so richtig und unbeschwert zum Feiern zumute. Lieber freut man sich leise… und ist viel dankbarer für das, was gut ist und uns heute keine Sorgen bereitet: alle, die ich liebe, sind gesund. Wir haben alle noch Arbeit und die nächsten 4 Wochen kommen wir aus. Wir können im Homeoffice arbeiten und sicher Zuhause sein.

In den letzten Wochen sind für mich die Medien wichtiger denn je geworden. Mittlerweile ist in unserer Tageszeitung fast eine Doppelseite voll mit „Freude-Anzeigen“. Da gratulieren und grüßen sich Enkel und Großeltern, Freund*innen und alle, die sich nicht sehen dürfen, aber Sehnsucht haben, mit hoffnungsvollen Worten, persönlichen Bildern und herzlichen Reimen. Ich mag es, für eine Millisekunde an den Leben, Hoffnungen und Wünschen dieser Menschen beteiligt zu sein und dem Gefühl, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Und ich freue mich an den sozialen Medien, die doch nicht nur zum Zeitrauben unseres jugendlichen Nachwuchses gut ist, sondern tatsächlich die Menschen trotz Kontaktsperre und Kontaktverbot zusammenbringt, sie zusammen lachen, weinen und leben lässt.

Und so feiern wir ein kleines bisschen trotzdem… trotz Krise, trotz Sorgen, trotz Angst.  Schenken wir uns Freude, Hoffnung und Mut. Ein Lachen, eine helfende Hand, eine liebe Geste. Es ist Zeit aus der Schock-Starre zu erwachen und da zu helfen und uns einzubringen, wo wir nur können, um gemeinsam und mit viel positiver Energie und miteinander diese Krise zu meistern.

Meine schönsten Geschenke waren dieses Jahr das gemeinsame Skype-Bier mit meinen besten Freunden, 3 Rollen Klopapier und eine Playlist mit optimistischen Liedern von meiner Tochter zum Geburtstag. Letzteres kann ich mit allen teilen 😉

 

 

 

 

 

 

Don’t look at it like it’s forever

Es ist Donnerstag und die Sonne scheint heute nicht so strahlend wie die letzten Tage. Dazu kommt ein frostiger Wind, der es Zuhause gemütlicher werden lässt.

Es ist Tag 13 in der C*Krise. Seit fast einer Woche leben wir in bis dato unvorstellbaren Ausgangsbeschränkungen. Nicht aus dem Haus gehen dürfen? Kein Konzert, Kino, Pizza beim Lieblingsitaliener? Keine Freunde, Eltern, Geschwister, Nachbarn treffen… das hätten wir uns nicht vorstellen können. Jetzt leben wir es. Ich mag es nicht.

Als Familie sind wir in der ungewohnten Situation ein Stück weit angekommen: die erste Angst und Ungewissheit ist mit den neuen Strukturen unseres Alltags gewichen. Mein Lädchen beherbergt nun die Ausweich-Schule für die jüngeren Familienmitglieder am Morgen und das Homeoffice für die älteren am Nachmittag. Mein Mann verdient sich damit einen Orden, denn ich bin eine lausige Lehrerin für pubertierenden Nachwuchs und stürze mich lieber ins Housekeeping und Teambuilding.

Gemeinsamen Mahlzeiten sind wieder ein fester Ankerpunkt in unserem Alltag geworden. Mit der neuen, gesunden Mama-hat-Zeit-zum-Kochen-Küche kommt auch der ein oder andere Konflikt auf den Tisch. Mancher frisch gekocht, gerne wärmen wir auch Altes wieder auf. Beides in Krisenzeiten schwer bekömmlich, deswegen sehne ich mich mehr denn je nach Harmonie und einem unbeschwerten Lachen. Für die Harmonie zuhause kann ich viel tun… ich akzeptiere, toleriere, respektiere. Räume auf, schaffe Platz, bügel‘ glatt, halte in Ordnung, stricke Strukturen. Ich bin froh und dankbar für jeden Tag, an dem ich alle um mich herum habe und wir gesund zusammen sein können.

Abends, wenn es ganz ruhig geworden ist, spüre ich die verdrängten Gedanken. Auch dieser Zustand wird nicht lange anhalten. Die Fallzahlen steigen unaufhörlich. Die Bilder aus aller Welt werden immer bedrohlicher. Kurzarbeit an allen Ecken und Enden. Wer kann in diesen Tagen unbeschwert lachen oder sorglos einschlafen?

Ich kann es nicht.

 

 

Keine Schokolade?!

Tag 6 in der C*Krise.

Nach einem mentalen Weltzusammenbruch stelle ich fest, dass sie sich bisher noch weiterdreht. Die Gewohnheiten ändern sich langsam… nach den morgentlichen Standards mit Frühstück, Zeitung, Homeoffice gehe ins Dorf und stelle mich schon recht routiniert in die Schlange Wartender vor der Post, der Apotheke und dem Bäcker um zu sehen, was heute zu bekommen ist. Gleich morgens das Brot kaufen, denn mittags könnte das Regal schon leer sein, weiß die emsige Hausfrau in Krisenzeiten. Geheimtipps über frisch geliefertes Klopapier verbreiten sich viral im einschlägigen Zwitscherfunk. Ja, Hausfrau bin ich wieder. Vollzeit. Es gibt Momente, in denen ich mit dem Gedanken spiele, mir ein Stick-Set zu kaufen, um dauerhafte Erfolgserlebnisse auch in den eigenen vier Wänden generieren zu können. Der Spaßfaktor an gebügelter Wäsche ist immer noch sehr gering. Zudem ist man damit NIE fertig. Also müssen Füller mit mehr Sinnesfreude her, damit die C*Krisendepression erst zeitverzögert kommt.

MeisenZum Glück ist schönes Wetter. Ich genieße den beginnenden Frühling und die aufblühende Natur im Garten und bei den noch erlaubten Spaziergängen durch Feld, Wald und Wiesen. Ein Meisen-Pärchen hat im Holzkasten vor meinem Küchenfenster mit dem Nestbau begonnen und vögelt bei strahlendem Sonnenschein optimistisch und zukunftsorientiert im Apfelbaum. Das verbreitet irgendwie Hoffnung.

Ich bin dazu übergegangen Nachrichten zu fasten. Morgens und abends die volle Ladung Katastrophe muss reichen, solange der reale Alltag noch ok ist. Dazwischen darf die Welt auch noch in Ordnung sein. Also Push-Nachrichten auf dem Handy ausschalten und Scheuklappen hoch, solange es geht. Tag X kommt früh genug.

Zum Schluss ziehe ich meinen Joker aus dem Hut. Ein ganz altbewährtes Hausmittel. Eigentlich für Männerkrisenzeiten, aber vielleicht hilft es auch bei C*. Schaden kann es auf jeden Fall nicht: Gloria. Mit Schokolade.

 

 

 

 

 

Times go by

So schöne Erinnerungen! Frisch gedruckt und gebunden in einem unvergänglich wirkenden Buch – tatsächlich, analog fühlt es sich noch wunderbarer an als die flüchtigen Handy-Bilder.

Schon anderthalb Jahre her…kaum zu glauben. Wie gerne schaue ich mir die Bilder wieder an…vom gefahrvollen Aufstieg über die vernünftige Umkehr der beiden Freunde im Himalaya bis zu ihrer ersehnen Ankunft in München!Memories.

Noch bedeutsamer werden diese Erinnerungen heute, zwei Nächte nach meinem persönliche Black Friday in der Corona-Krise.

Dem Tag, an dem ich verstanden habe, dass nichts so bleiben wird, wie es war. Einen kleinen, aber bedeutsamen Schritt weiter weg scheint die Welt, die so selbstverständlich, so sicher und planbar war.

Wer hätte sich noch vor wenigen Wochen vorstellen können, dass wir in unsere Häuser kriechen, unser Leben einfriert und Angst unser Handeln bestimmt? Verwaiste Straßen und Cafés, kulturelles und sportliches Leben schockgefrostet in einer pandemistischen Dauerangst. Dazu noch Freunde, Familien und die Menschen, die wir lieben, nicht einmal umarmen oder besuchen zu dürfen – nichts davon hätten wir nur im Ansatz für möglich gehalten.

Vertrautheit verliert sich im Ungewissen, Sicherheit verliert sich in Zweifeln. Wo wir mit heißem Eisen Pläne geschmiedet und Geträumtes erlebt haben, landen wir in diesen Tagen hart auf dem Boden der Realität: nichts davon war für immer gedacht.

Es brechen andere Zeiten an, die Welt ändert sich. Wir haben keine Wahl. Wir müssen es nehmen, wie es kommt – aber nicht mit Angst und Zweifeln, sondern mit dem Mut, neuen Herausforderungen entgegen zu treten und dem Willen, aus dem was wir haben das Beste zu machen: mit Verantwortung füreinander, Besonnenheit im Augenblick und Hoffnung für die Zukunft. Denn eins ist sicher: auch diese Zeiten kommen – und gehen vorbei. Alles ändert sich…

 

TakeTime…

Schon über ein Jahr ist es her, dass unsere zwei Reisenden aus Nepal wieder wohlbehalten nach Hause zurück gekehrt sind – mit vielen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck. Seit dem ist viel passiert…mit neuen Kräften und Zielen haben wir uns mit „WineTime“durch das Jahr geswingt, haben dem Feine-Zeit-Café endlich Leben eingehaucht und sind mit dem Wochenmarkt verwachsen. Ein Jahr voller Arbeit, voller Herzblut und Tränen, die geflossen sind, voller Freude und wunderbarer Momente, die einfach vollkommen waren, und die unvergesslich bleiben werden.

Bei alle dem…keine Zeit, um sich Zeit zu nehmen – und der TakeTime-Blog wartete im Dornröschen-Schlaf geduldig auf seine neue Bestimmung. In diesem ganzen Trubel-Jahr gab es oft einfach keine Zeit für Besinnung, keine Zeit zum Stehenbleiben… doch was mich immer, jeden Tag und jedes Gefühl von mir begleitet, und mich immer wieder erdet, aufbaut und wach küsst – ist die Musik. Ein Song, der alles, was du nicht in Worte fassen kannst, in seinem Text sagt, deinen Herzschlag in seinem Rhythmus hat und deine Gefühle in seiner Melodie.

Music TakeTime

Es ist die eine Band oder der Interpret, der dich mit seiner Stimme durch dein Leben begleitet, mit dir wächst und groß wird oder einfach mit diesem einen besonderen Lied ein Stück von deinem Leben ist… . Das eine Konzert, dass dich begeistert, enttäuscht, zum Tanzen gebracht, heißer oder taub gemacht hat. Welche Geschichten es darüber zu erzählen gibt, welche Lieder und Konzerte uns begleiten, könnt ihr also hier zukünftig mitlesen und miterleben…natürlich mit dem ein oder andere Update über die Kooperation mit der Chepang-Schule. Soviel Zeit muss sein 😉

 

Spendenkonto

Kath. Kirchengemeinde 89555 Steinheim //  IBAN: DE35 6325 0030 0000 9121 98 // BIC: SOLADES1HDH // Stichwort: Spende für Chepang-Schule/Nepal

Links