Prädikat: Delikat!

Ich hab‘ ja zugegebener Maßen eine Schwäche für Lieder in Dialekt: echt, ursprünglich, kernig und unverbogen. Bayerisch, steierisch…mog‘ i. Nach S.T.S. ist derzeit ein besonders schöner Export aus Austria, der mein Herz höher schlagen lässt, Pizzera & Jaus.

Zum ersten mal bin ich über das Duo auf der Rückfahrt aus dem Österreich-Urlaub gestolpert. Wir standen im Stau und mussten wegen dem Verkehrsfunk Ö3 hören…das muss 2019 gewesen sein😉. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es tatsächlich das „Tuansackl“ war….ist aber auf jeden Fall der erste Song der beiden, den ich in Dauerschleife hörte, weil er mich einfach auf allen Ebenen unterhält. Immer noch. Und immer wieder.

Ich mag die Mischung aus mehrstimmigen G’sang, G’schichten und Schmäh – keiner kann’s derzeit wie Paul Pizzera und Otto Jaus. Gefunden haben sich die beiden 2013 bei der „langen Nacht des Kabarett“ in Leoben. Da sprang der ausgebildete Sänger, Schauspieler und Kabarettist Otto Jaus kurzfristig ein und bei einem Zigaretten-Päusel traf er auf den Kabarettisten und Musiker Paul Pizzera, der bis dahin schon mit Musik-Kabarett als Solo-Programmen über die österreichischen Bühnen tingelte. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

2015 veröffentlichen sie ihren ersten gemeinsamen Song, 2017 folgt das Album „Unerhört solide“ – das hat mittlerweile Doppel-Platin-Status. Und was soll man sagen: koaner singt so schee die zwoat Stimm wie der Jaus: die G’sangsausbildung hörst jede Minute raus und gibt des Songs eine unglaubliche qualitative Tiefe…naja, Höhe trifft es besser! Schon mit 9 Jahren sang der 38-Jährige bei den Wiener Sängerknaben, nach der Ausbildung zum Technischen Zeichner bekam er doch noch die Kurve und studierte Schauspiel, Gesang und Tanz in Wien. Neben seinem Pendant und Ricky Martin aus der Steiermark Paul Pizzera wirkt er genau so: unerhört solide. Ja, ich gestehe, dass mir der steierische Bursche mit seinen knapp 34 Lenzen nicht nur musikalisch auffällt…er ist auch optisch ein echtes Schmankerl und was mich halt zu guter Letzt‘ zum Schmelzen bringt, ist der ehrliche Humor der beiden, egal ob sie ihn in Worten oder in Harmonien ausdrücken.

Deswegen: zu Recht räumen Pizzera & Jaus seit 2017 bei den Amadeus-Award ab. Unbedingt gehört haben muss man eigentlich das Album „Wer nicht fühlen will, muss hören“. Das ganze. 2019 veröffentlicht, schaffte es sogar in Deutschland den Sprung in die TOP 100. Vielleicht muss sich der/die ein oder andere die Texte übersetzen lassen, aber die Mühe ist es wert. Auch hier macht es die Mischung aus ernsten und lustigen Songs, aus ruhigen und schnellen Rhythmen, aus harter und weicher Gitarre – geschlagen. Und gezupft.

Da werde ich zur Dauerschleifenhörerin. Der Soundtrack meines Lebens hat dank Pizzera & Jaus 10 neue Titel für ALLE schöne, traurige, schwierige und freudige Momente im Leben.

Vielleicht kein Zufall, dass S.T.S und Pizzera & Jaus generationenübergreifend den Großvater besingen – S.T.S aus der Sicht des Enkels, und Pizzera & Jaus aus der Sicht des Opas. Verbunden und getrennt werden sie durch genau eine Textzeile: „Großvota, kannst du net obakumman auf an schn’n Kaffee?“ – „Nua owakumman werd i ned, a fia kan schnölln Kaffee!“ Deswegen: zuhör’n, reinlegen, und bitte – bringen S‘ mir noch a bisserl Schlagobers!

Apropos: den neuesten Coup „FRMDGHN“ der beiden darf ich als Sahnehäubchen an dieser Stelle auch nicht vorenthalten – ist aber nur was für starke Nerven! Und das Video sei nur für Frauen mit akutem Männerhass empfohlen, die sich aufgrund des besungenen Themas auch auf Berge von Eiskrem und Taschentüchern stürzen – da kann frau sicher ein paar Aggressionsfantasien abbauen – allen anderen könnte es dann doch auch auf den Magen schlagen. Wie kommentierte eine Nutzerin auf Youtube:

…’s nächste mal zupfen’s wieder 😉

I can still feel the breeze

Der erste schöne Frühlingssonntag im neuen Jahr! Kribbelig und neugierig macht sich die zarte Sonne auf der Haut und in der Laune sofort bemerkbar: Draußen weht eine Prise Neuanfang und Optimismus durch die Luft und zu der großen Tasse Kaffee, die ich mir gerade eingeschenkt habe, brauchen ich jetzt noch einen smoothen Sound im Hintergrund – und der kleine, glücklichen Moment mit mir und der Wochenendausgabe der Zeitung wird perfekt!

Ich krame ein bisschen in den Online-Playlists, dann drängt mich mein innerer Beat zum „Tschika-Tscha-Ha-Ha“ von Boyzone, eingebettet im „Notting Hill“-Soundtrack. Ein wenig nostalgisch schwelge ich im Sound der 90er und versinke in meiner Zeitungslektüre.

Dann das: ein einfaches Gitarren-Picking, das wummerige Gejammer ein Bontempi-Orgel, angetrieben von einem Soul-Drum-Beat eröffnen einen Song. Mein Herz stolpert. Ein Geigenregen setzt ein, dann eine verzweifelte, samtige männliche Stimme: Warum hat mir keiner von den Sorgen erzählt? Was lässt die Erde weiterdrehen? Wie kann ein Verlierer jemals gewinnen? Wie schaffst du es, dass die Sonne nicht mehr scheint? Wie kann man ein gebrochenes Herz heilen?

Ich horche auf, und kann nicht mehr von dem Song lassen. „How can you mend a broken heart“, gesungen von Al Green. Ich höre auf Dauerschleife. Die Mischung aus Herzschmerz und Weitergetriebenwerden, Frauenchor und Geigen am Himmel, während unten die Welt zusammenbricht…alles liegt manchmal so nah beieinander…und dieser Song hat dies alles in seinem groovigen Sound, seinem stetigen Aufbau und seinem souligen Drive. Al Green ruft mir zu: „I just wanna live again!“ und – ja, Baby! Die Ladies im Background lassen dich nicht fallen: sie lassen dir alle Möglichkeiten, damit dein gebrochenes Herz bald wieder geheilt ist, und auch die Sonne auch für dich wieder scheint – an diesem wunderbaren Sonntagmorgen tut sie das für uns alle.

Dabei stammt „How can you mend a broken heart“ aus der Feder von niemand geringeren als Barry und Robin Gibb: ein Bee Gees-Klassiker aus dem Jahr 1971! Ihr erster Platz 1-Hit in den US-Single-Charts – aber eigentlich ein ganz anderes Lied…zarter, zerbrechlicher mit den fragil wirkenden Kopfstimmen der Gibb-Brüder – die Harmonien des mehrstimmigen Gesangs sind mir zu soft – zu harmonisch. Ich mag den Beat von Funk & Soul lieber. Ich stoße beim Stöbern im Internet auf einen Artikel auf NME.com – letztes Jahr kam tatsächlich auch eine Dokumentation in Spielfilmlänge heraus „The Bee Gees: How Can You Ment a Broken Heart“. Da ein regulärer Kino-Start im Jahr 2020 schwierig blieb, ist der Film schon als DVD und in anderen Formaten veröffentlicht. Die Rezensionen sprechen von einem sehenswerten Werk…das schaue ich mir in nächster Zeit gerne mal.

Al Green hat den Song schon 1972 für sein Album „Let’s stay together“ gecovert, ihn aber charaktervoll zu seinem eigenem gemacht. Und für diese Version danke ich ihm mit frühlingsvollem Herzen, denn auf dieser süßen Woge zwischen Vergehen und Werden, Loslassen und Hoffen, werde ich sicher noch einige warme Tage mit schwimmen.

WineTime – Musiker im Lockdown, Part I: Gitarre färben wie die alten Ägypter

Ein Zwitscher-Funk-Protokoll 🙂 :

Gitarrist: „Ja, auf’s richtig live Musik machen freu‘ ich mich auch schon megamäßig.

Und weil die Vorfreude so stark ist, habe ich mich entschieden, meine schwarze Stratocaster-Gitarre schöner zu machen, indem ich sie einem speziell von mir entwickelten Alterungsprozess unterworfen habe. Die Küche dient mir zur Zeit als Künstler-Gitarren-Atelier. Meine Frau hat sie schreiend und schockiert verlassen!“

….“Ok, ein paar Dinge sind mir aus dem Ruder gelaufen: ich sag‘ nur alternative Farbexperimente aus dem alten Ägypten – aber das krieg‘ ich wieder hin. Und dann kann ich die Gitarre auch wieder unter Leuten spielen.

Ich: „OMG!! Jetzt bin ich echt neugierig…ich hoffe, die Küche ist auch noch nutzbar! Das musst du mir mal erzählen, wie man im alten Ägypten Gitarren gefärbt hat.“

Gitarrist: „z.B. mit Kurkuma. Ich habe da die hochwirksame Dr. Wolz Curcumin Extrakt 45-Kapseln meiner Frau verwendet. OK, das war schon der Moment als die positive Grundstimmung gekippt ist.

„Das nächste Mal arbeite ich:

  • bei guter Beleuchtung
  • nicht nach 24 Uhr
  • und vor allem nicht unter Alkoholeinfluss – er hat meine künstlerischen Entscheidungen nach der zweiten Flasche Wein leicht negativ beeinflusst.

Aber ich wollte auch gegen 2:30 Uhr endlich fertig werden und mit dem Küche putzen wollte ich dann gleich in der Früh‘ starten. Mein zweiter Kardinalfehler.

Merke: don’t drink and drive. 😉

Don’t look down, just look up

Oh mein Gott….Tag 98 in der Krise. Krise! Wie unglaublich mir dieses Wort auf die Nerven geht – gleich gefolgt von „Dynamische Entwicklung“ und „Aktuelle Lage“. Dazu noch ein kreatives Kreis-Piktogramm als Stecknadel-Kissen garniert und ich bekomme Kopfschmerzen. Ich kann es nicht mehr hören, kann nicht mehr darüber nachdenken, und weigere mich, weiter Sondersendungen und Live-Streams zu schauen! Die C*Krise ist einfach nur noch lästig wie ein Kaugummi am Schuh. Genauso wie der feuchte Geruch einer baumwollenen, doppelt genähten Mund-Nase-Maske. Oder Lockerungen. LOCKERUNGEN!! Sie sind es, die mich eigentlich fertig machen. Lock-Down war hart…keine Frage! Aber es war alles klar. Für viele Tage am Stück….ging einfach NICHTS! Und das galt für ALLE! Und das war seine paradoxe Weise GUT!! Eine klare Ansage – ohne wenn und aber.

Heute regiert keine C*Krise mehr unser Leben, sondern es herrscht nur noch das volle C*Chaos!!! Ich bin nur noch dauerflexibel und  multitasking am permament umstrukturieren. Alles ist alle zwei Tage  irgendwie anders…keiner weiß mehr, wann er sich wo mit wem unter welchen Bedingungen treffen kann. Fußball ja, Chor nein, draußen…äh…ja, wie viele? drinnen nur Kännchen, Schule 14-tägig, ansonsten nur Mittwoch und  Freitag und Web-Konferenzen jetzt nur noch über Zeams und nicht mehr über yellow stripe….ich blicke nicht mehr durch. Dazu habe ich  im letzten halben Jahr noch mindestens 25 neue Accounts auf Plattformen angelegt, denen ich aus Datenschutzgründen nie beitreten wollte, und die Reproduktion wahllos vergebener Passwörter fegt mir nun täglich als kalter Brainstorm durchs Hirn. Ich bin müde vom DauerkreativlösungenimChaosfinden und seeeeeeeehne mich nach Beständigkeit, Regeln ohne Ausnahmen und Freunde ohne Abstand.

Dabei ist alles so sinnvoll! Und richtig! Wir haben DISTANZ gehalten, HÄNDE gewaschen, NIES-ETIKETTEN eingehalten und kennen eine nie da gewesene Gelassenheit beim Schlange stehen. Wir haben mit „nichts tun“ einfach unglaublich viele Menschenleben gerettet und eine Katastrophe verhindert! Aber es fühlt sich nicht so an…weil der Sturm ausgeblieben und erstmal an uns vorbei gezogen ist. Und ich sehe es ein und genieße es ja auch, dass wir unsere Lebensbereiche jetzt wieder öffnen. Ändern. Eine neue Mitte finden. Eine ungekannte Normalität einzieht. Wir können stolz auf uns sein….auch wenn zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Meine krisengeschüttelten Gefühle peitschen nur noch und ständig zwischen „Gebt mir mein altes Leben zurück!“ und „Auf in ein neues Zeitalter!“ wild aus!

Tanzpaar

Aber jetzt nicht stehen bleiben!! Etwas orientierungslos fühle ich mich im Krisenchaos. Kleine Schritte machen, aber weitergehen – das ist das einzige, was hilft! Kleine Schritte machen, auch wenn mir keiner sagen kann, wohin der Weg geht. Das Geschaffte nicht aufgeben, nur weil es unglaublich nervt! Das Gelernte nicht ignorieren, nur weil es unbequem ist. Nehmen wir eine neue Routine mit, aber lassen wir uns nicht von unseren Plänen und Träumen abhalten. Also Kopf nach oben! Heiratet! Singt! Tanzt! …und beachtet die Hygiene-Regeln 😉

…wenn du nur lächelst

Jetzt ist es soweit. Die Maskenpflicht kommt. Es ist beschlossene Sache, das ab kommenden Montag beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ich habe diese Entscheidung gefürchtet. Die C*Krise rückt sichtbar näher. Tag 40.

Die letzten Tage spüre ich immer öfter, welche Spuren 5 Wochen Shutdown in mir hinterlassen. Gefühle durchbrechen bei kleinster Regung unerwartet und ohne Hürde die vermeintlich stabile Fassade. Ohne Zukunft und langfristige Perspektive zu leben, erschüttert mich zusehends. All‘ die Dinge, auf die ich mich oft schon lange Zeit gefreut habe… nichts davon wird stattfinden. All‘ die großen und kleinen Träume… gefühlt muss man ständig alles beerdigen. Sich vertrösten, verarzten auf irdendwann. Kopf hoch, weitermachen. Lächeln. Es wird schon. Irgendwann. Nach der Krise. Es wird schon.

Eigentlich darf ich nicht jammern…die ersten Lockerungen werden diskutiert und wir haben, rückwirkend betrachtet, die ersten 5 Wochen gut überstanden. Doch es ist auch klar, dass es dabei nicht bleiben wird. Der konsequente Kontaktverzicht kann nicht unendlich in die Länge gezogen werden. Die Wirtschaft ächzt unter dem Druck und noch viel mehr lechzen die Menschen nach einer Umarmung und Fürsorge und einem Lächeln. Nach Hoffnung. Einer meiner Horror-Vorstellungen in dieser Krise ist in einem der eingerichteten Not-Krankenhäuser zu liegen, vermummt und schwer krank auf einem Feldbett. Um mich herum nur Vermummte, die verzweifelt und mit letzter Kraft die vielen Kranken versorgen wollen, aber nicht können. Fremde Augen schauen mich aus Ganzkörper-Schutzkleidung an. Der Mund ist nicht zu sehen. Worte schlecht zu verstehen. Kein Lächeln. Dann zu wissen, dass keiner kommen wird, um auch nur kurz bei mir zu sein, meine Hand zu halten, mir ein aufmunterndes Lächeln zuzuwerfen… unmenschlich die Vorstellung, dass Menschen hier, in Italien oder irgendwo anders auf der Welt so mutterseelenallein sterben mussten. Das kann nicht richtig sein. Hinter dem Haus steht der Kühlwagen.

Deswegen fühlt sich dieser Mundschutz auch für mich nicht gut an. Ich verstehe, dass er sinnvoll ist. Vernünftig. Aber ich sehe so gerne ein herzhaftes Lachen, ein verschmitztes Lächeln, eine beleidigte Schnute, eine aufgeregt zitternde Unterlippe, ein nervöses Knabbern, kleine, traurig hängende Mundwinkel, einen verstohlenen Kuss! Das alles bleibt nun an Gefühlen und Menschlichem dahinter verborgen. Deswegen werde ich jede verdammte Gelegenheit nutzen, bei der ich anderen Menschen eine Freude, ein Lächeln schenken kann. Auf dem Markt. An meinem Wägelchen beim Blumen verkaufen, beim Einkaufen-helfen, beim Gottesdienst filmen, beim Masken nähen. Nichts wird uns abgenommen, von dem was kommen wird. Aber wenn es einen Moment voll Hoffnung und Licht bringt, dann ist es gut. Dann lasst es uns machen und lächelt!

Nähanleitung Mundschutz

Lose your blues

Juhuuuu….Geburtstag!! So klingt es derzeit NICHT, wenn das zweitbeste Jahres-Ereignis nach Weihnachten vor der Tür steht… eher ein bisschen krumpelig schielt man auf eigentlich frohe Ereignisse in Zeiten der C*Krise. Tag 22.

Ich frage mich, warum viele aus meinem Freundes- und Familienkreis im März und April Geburtstag haben… in diesen Tagen habe ich Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken. Meine Lieblingshypothese ist ein sehr schöner und kurzweiliger Urlaub unserer Eltern im „Sommer davor“, aber was wissen wir schon? Gesichert ist lediglich die Sache mit den Blümchen und Bienchen 🙂

Sunshine

Puh, dieses Jahr ist es mit den Geburtstagen allerdings wirklich schwierig… Zum einen fällt dank dem Fasten sozialer Kontakte die Party – vom Kind bis zum Greis – einfach aus. Ob der verdiente 70. Geburtstag oder der sehnlichst erwartete 16. … die Krise verschont keinen. Zum anderen ist derzeit auch gar niemandem so richtig und unbeschwert zum Feiern zumute. Lieber freut man sich leise… und ist viel dankbarer für das, was gut ist und uns heute keine Sorgen bereitet: alle, die ich liebe, sind gesund. Wir haben alle noch Arbeit und die nächsten 4 Wochen kommen wir aus. Wir können im Homeoffice arbeiten und sicher Zuhause sein.

In den letzten Wochen sind für mich die Medien wichtiger denn je geworden. Mittlerweile ist in unserer Tageszeitung fast eine Doppelseite voll mit „Freude-Anzeigen“. Da gratulieren und grüßen sich Enkel und Großeltern, Freund*innen und alle, die sich nicht sehen dürfen, aber Sehnsucht haben, mit hoffnungsvollen Worten, persönlichen Bildern und herzlichen Reimen. Ich mag es, für eine Millisekunde an den Leben, Hoffnungen und Wünschen dieser Menschen beteiligt zu sein und dem Gefühl, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Und ich freue mich an den sozialen Medien, die doch nicht nur zum Zeitrauben unseres jugendlichen Nachwuchses gut ist, sondern tatsächlich die Menschen trotz Kontaktsperre und Kontaktverbot zusammenbringt, sie zusammen lachen, weinen und leben lässt.

Und so feiern wir ein kleines bisschen trotzdem… trotz Krise, trotz Sorgen, trotz Angst.  Schenken wir uns Freude, Hoffnung und Mut. Ein Lachen, eine helfende Hand, eine liebe Geste. Es ist Zeit aus der Schock-Starre zu erwachen und da zu helfen und uns einzubringen, wo wir nur können, um gemeinsam und mit viel positiver Energie und miteinander diese Krise zu meistern.

Meine schönsten Geschenke waren dieses Jahr das gemeinsame Skype-Bier mit meinen besten Freunden, 3 Rollen Klopapier und eine Playlist mit optimistischen Liedern von meiner Tochter zum Geburtstag. Letzteres kann ich mit allen teilen 😉

 

 

 

 

 

 

Don’t look at it like it’s forever

Es ist Donnerstag und die Sonne scheint heute nicht so strahlend wie die letzten Tage. Dazu kommt ein frostiger Wind, der es Zuhause gemütlicher werden lässt.

Es ist Tag 13 in der C*Krise. Seit fast einer Woche leben wir in bis dato unvorstellbaren Ausgangsbeschränkungen. Nicht aus dem Haus gehen dürfen? Kein Konzert, Kino, Pizza beim Lieblingsitaliener? Keine Freunde, Eltern, Geschwister, Nachbarn treffen… das hätten wir uns nicht vorstellen können. Jetzt leben wir es. Ich mag es nicht.

Als Familie sind wir in der ungewohnten Situation ein Stück weit angekommen: die erste Angst und Ungewissheit ist mit den neuen Strukturen unseres Alltags gewichen. Mein Lädchen beherbergt nun die Ausweich-Schule für die jüngeren Familienmitglieder am Morgen und das Homeoffice für die älteren am Nachmittag. Mein Mann verdient sich damit einen Orden, denn ich bin eine lausige Lehrerin für pubertierenden Nachwuchs und stürze mich lieber ins Housekeeping und Teambuilding.

Gemeinsamen Mahlzeiten sind wieder ein fester Ankerpunkt in unserem Alltag geworden. Mit der neuen, gesunden Mama-hat-Zeit-zum-Kochen-Küche kommt auch der ein oder andere Konflikt auf den Tisch. Mancher frisch gekocht, gerne wärmen wir auch Altes wieder auf. Beides in Krisenzeiten schwer bekömmlich, deswegen sehne ich mich mehr denn je nach Harmonie und einem unbeschwerten Lachen. Für die Harmonie zuhause kann ich viel tun… ich akzeptiere, toleriere, respektiere. Räume auf, schaffe Platz, bügel‘ glatt, halte in Ordnung, stricke Strukturen. Ich bin froh und dankbar für jeden Tag, an dem ich alle um mich herum habe und wir gesund zusammen sein können.

Abends, wenn es ganz ruhig geworden ist, spüre ich die verdrängten Gedanken. Auch dieser Zustand wird nicht lange anhalten. Die Fallzahlen steigen unaufhörlich. Die Bilder aus aller Welt werden immer bedrohlicher. Kurzarbeit an allen Ecken und Enden. Wer kann in diesen Tagen unbeschwert lachen oder sorglos einschlafen?

Ich kann es nicht.

 

 

Keine Schokolade?!

Tag 6 in der C*Krise.

Nach einem mentalen Weltzusammenbruch stelle ich fest, dass sie sich bisher noch weiterdreht. Die Gewohnheiten ändern sich langsam… nach den morgentlichen Standards mit Frühstück, Zeitung, Homeoffice gehe ins Dorf und stelle mich schon recht routiniert in die Schlange Wartender vor der Post, der Apotheke und dem Bäcker um zu sehen, was heute zu bekommen ist. Gleich morgens das Brot kaufen, denn mittags könnte das Regal schon leer sein, weiß die emsige Hausfrau in Krisenzeiten. Geheimtipps über frisch geliefertes Klopapier verbreiten sich viral im einschlägigen Zwitscherfunk. Ja, Hausfrau bin ich wieder. Vollzeit. Es gibt Momente, in denen ich mit dem Gedanken spiele, mir ein Stick-Set zu kaufen, um dauerhafte Erfolgserlebnisse auch in den eigenen vier Wänden generieren zu können. Der Spaßfaktor an gebügelter Wäsche ist immer noch sehr gering. Zudem ist man damit NIE fertig. Also müssen Füller mit mehr Sinnesfreude her, damit die C*Krisendepression erst zeitverzögert kommt.

MeisenZum Glück ist schönes Wetter. Ich genieße den beginnenden Frühling und die aufblühende Natur im Garten und bei den noch erlaubten Spaziergängen durch Feld, Wald und Wiesen. Ein Meisen-Pärchen hat im Holzkasten vor meinem Küchenfenster mit dem Nestbau begonnen und vögelt bei strahlendem Sonnenschein optimistisch und zukunftsorientiert im Apfelbaum. Das verbreitet irgendwie Hoffnung.

Ich bin dazu übergegangen Nachrichten zu fasten. Morgens und abends die volle Ladung Katastrophe muss reichen, solange der reale Alltag noch ok ist. Dazwischen darf die Welt auch noch in Ordnung sein. Also Push-Nachrichten auf dem Handy ausschalten und Scheuklappen hoch, solange es geht. Tag X kommt früh genug.

Zum Schluss ziehe ich meinen Joker aus dem Hut. Ein ganz altbewährtes Hausmittel. Eigentlich für Männerkrisenzeiten, aber vielleicht hilft es auch bei C*. Schaden kann es auf jeden Fall nicht: Gloria. Mit Schokolade.

 

 

 

 

 

Times go by

So schöne Erinnerungen! Frisch gedruckt und gebunden in einem unvergänglich wirkenden Buch – tatsächlich, analog fühlt es sich noch wunderbarer an als die flüchtigen Handy-Bilder.

Schon anderthalb Jahre her…kaum zu glauben. Wie gerne schaue ich mir die Bilder wieder an…vom gefahrvollen Aufstieg über die vernünftige Umkehr der beiden Freunde im Himalaya bis zu ihrer ersehnen Ankunft in München!Memories.

Noch bedeutsamer werden diese Erinnerungen heute, zwei Nächte nach meinem persönliche Black Friday in der Corona-Krise.

Dem Tag, an dem ich verstanden habe, dass nichts so bleiben wird, wie es war. Einen kleinen, aber bedeutsamen Schritt weiter weg scheint die Welt, die so selbstverständlich, so sicher und planbar war.

Wer hätte sich noch vor wenigen Wochen vorstellen können, dass wir in unsere Häuser kriechen, unser Leben einfriert und Angst unser Handeln bestimmt? Verwaiste Straßen und Cafés, kulturelles und sportliches Leben schockgefrostet in einer pandemistischen Dauerangst. Dazu noch Freunde, Familien und die Menschen, die wir lieben, nicht einmal umarmen oder besuchen zu dürfen – nichts davon hätten wir nur im Ansatz für möglich gehalten.

Vertrautheit verliert sich im Ungewissen, Sicherheit verliert sich in Zweifeln. Wo wir mit heißem Eisen Pläne geschmiedet und Geträumtes erlebt haben, landen wir in diesen Tagen hart auf dem Boden der Realität: nichts davon war für immer gedacht.

Es brechen andere Zeiten an, die Welt ändert sich. Wir haben keine Wahl. Wir müssen es nehmen, wie es kommt – aber nicht mit Angst und Zweifeln, sondern mit dem Mut, neuen Herausforderungen entgegen zu treten und dem Willen, aus dem was wir haben das Beste zu machen: mit Verantwortung füreinander, Besonnenheit im Augenblick und Hoffnung für die Zukunft. Denn eins ist sicher: auch diese Zeiten kommen – und gehen vorbei. Alles ändert sich…

 

TakeTime…

Schon über ein Jahr ist es her, dass unsere zwei Reisenden aus Nepal wieder wohlbehalten nach Hause zurück gekehrt sind – mit vielen Eindrücken und Erfahrungen im Gepäck. Seit dem ist viel passiert…mit neuen Kräften und Zielen haben wir uns mit „WineTime“durch das Jahr geswingt, haben dem Feine-Zeit-Café endlich Leben eingehaucht und sind mit dem Wochenmarkt verwachsen. Ein Jahr voller Arbeit, voller Herzblut und Tränen, die geflossen sind, voller Freude und wunderbarer Momente, die einfach vollkommen waren, und die unvergesslich bleiben werden.

Bei alle dem…keine Zeit, um sich Zeit zu nehmen – und der TakeTime-Blog wartete im Dornröschen-Schlaf geduldig auf seine neue Bestimmung. In diesem ganzen Trubel-Jahr gab es oft einfach keine Zeit für Besinnung, keine Zeit zum Stehenbleiben… doch was mich immer, jeden Tag und jedes Gefühl von mir begleitet, und mich immer wieder erdet, aufbaut und wach küsst – ist die Musik. Ein Song, der alles, was du nicht in Worte fassen kannst, in seinem Text sagt, deinen Herzschlag in seinem Rhythmus hat und deine Gefühle in seiner Melodie.

Music TakeTime

Es ist die eine Band oder der Interpret, der dich mit seiner Stimme durch dein Leben begleitet, mit dir wächst und groß wird oder einfach mit diesem einen besonderen Lied ein Stück von deinem Leben ist… . Das eine Konzert, dass dich begeistert, enttäuscht, zum Tanzen gebracht, heißer oder taub gemacht hat. Welche Geschichten es darüber zu erzählen gibt, welche Lieder und Konzerte uns begleiten, könnt ihr also hier zukünftig mitlesen und miterleben…natürlich mit dem ein oder andere Update über die Kooperation mit der Chepang-Schule. Soviel Zeit muss sein 😉

 

Spendenkonto

Kath. Kirchengemeinde 89555 Steinheim //  IBAN: DE35 6325 0030 0000 9121 98 // BIC: SOLADES1HDH // Stichwort: Spende für Chepang-Schule/Nepal

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