Weil die Frage kommt

Der letzte Abend in Kathmandu, die letzten Mo:Mo‘s geteilt und das letzte Stückchen Chillichicken mit einem Schluck Nepal Ice Bier hinuntergespült. Eine letzte Dusche, um danach die letzten Klamotten zu verpacken, bevor wir morgen nach Deutschland zurückkehren. 

Wie war‘s? Nun, zuallererst war es eine Reise mit einem sehr guten Freund. Bis auf die Unterwäsche und zwei, drei Meinungen haben wir alles brüderlich miteinander geteilt, am Ende gar die Erkältung und die Mode für die daheimgebliebenen Frauen. Ich sage an dieser Stelle einfach: Danke, Klaus!

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle auch an Ines, Bijay, Mane und Pemba von Nepal Himalaya Reisen. Wir waren bei Euch in den besten Händen! Wir mussten uns auf dem Trek nur um uns kümmern, weil ihr im Hintergrund alles geplant und organisiert habt. Es konnte nicht besser sein. Dhanyabad!

Nepal ist ein tolles Land und deshalb ist die ganze Welt zu Besuch. Die internationalen Kontakte habe ich genossen, egal ob lang oder kurz. Brasilien, Indien, Malaysia, Polen, Slowakei, Schottland, Litauen, USA, Neuseeland, Holland, Frankreich, Israel usw. Es gab immer etwas zu erzählen und obwohl oft über dasselbe geredet wurde, war es immer anders. Nur schön oder beeindruckend oder lecker oder kalt war es immer.

Der Besuch der Chepangschule war etwas ganz besonders. Ein gutes Dutzend Leiter und Lehrer kümmern sich um fast 250 benachteiligte Kinder, die ohne diese Schule keine Ausbildung bekämen. Der Idealismus, mit der diese Aufgabe bewältigt wird, scheint grenzenlos. Klaus und ich wurden über das Wochenende unglaublich freundlich aufgenommen und beherbergt und wir hoffen, dass wir durch unseren Besuch und die nachfolgenden Präsentationen die Solidarität und die Verbundenheit zur Navodayaschule weiter fördern und festigen. In einem Nebensatz sei noch erwähnt, dass wir in drei Wochen Nepal nirgends so abwechslungsreich und köstlich gegessen haben wie in der Chepangschule (und ich weiß, dass ich gestern die Küche Kathmandus in den höchsten Tönen gelobt habe).

Bleibt noch das Trekking. Ich habe sehr viel Zeit und Geld in die Ausrüstung investiert und jede Minute und jeder Euro hat sich bezahlt gemacht. Ich habe nichts vermisst und nichts umsonst mitgenommen, es war schlicht perfekt. Merino heißt das Zauberwort auf langen Treks!

Zehn Tage sind Klaus und ich durch die Khumburegion gelaufen. Im Vergleich zu den meisten anderen, haben wir aber eine leichte Tour absolviert, die mir dennoch an manchen Tagen alles abverlangt hat. Die Wahl der Tour war für mich genau richtig, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Treks an das Everest Base Camp, über die „Drei Pässe“ oder gar auf den Island Peak für mich nicht in Frage kommen. Ich wäre auch nicht bereit, mich über einen Zeitraum von zwei, drei Wochen von Lodge zu Lodge zu schleppen. Die Blicke in den Himalaya sind zwar einzigartig, aber sie haben ihren Preis.

Bleibt also die Frage nach einer Wiederholung. Ich habe hier Menschen kennengelernt oder von Menschen gehört, die zum vierten Mal in Nepal waren, die vier Wochen unterwegs waren, die unbedingt wieder kommen wollen, die erst letztes Jahr hier waren oder die für nächstes Jahr schon wieder gebucht haben. Diese Sehnsucht, die Berge immer wieder neu erleben und erwandern zu müssen, hat sich bei mir nicht eingestellt. Das Panorama um den Mt. Everest hat sich für immer in meine Großhirnrinde eingebrannt, aber damit ist es jetzt auch gut, sogar sehr gut. 

Ich habe einen Teil Nepals erlebt und dafür bin ich einfach dankbar. Ich würde diese Reise immer wieder machen wollen, doch nun, wo sie zu Ende ist, werde ich sie nicht nochmal machen. Obwohl ich jetzt die Brücken kann. Namaste!

Ein besonderer Gruß aus Nepal

Den ersten Teil unserer Nepalreise verbringen wir in der Navodayaschule in Tarkarichowk, Chitwan. In unregelmäßigen Abständen haben wir schon heute Kontakt zu Bruder Michael Chirayath CST, dem Leiter der Schule. Meist geht es nur um einen kurzen Gruß oder die Beantwortung einer Frage, aber heute kam diese E-Mail, die ich in Teilen hier veröffentlichen möchte. Bruder Michael hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, diesen Blog online zu übersetzen und dann zu lesen. Hier ist seine Antwort, die uns bestätigt, dass die geplante Horizonterweiterung eben nicht nur im Himalaya stattfindet, sondern auch beim Besuch der Chepangschule. Ich freue mich gleichermaßen darauf.

Dear Michael,

Thank you very much for your quick reply and the link of Gaby & Klaus‘ (and of yours too?) blog. I opened the blog, and fortunately there was option to English translation. I went through it and it is truly interesting, and it manifests your mental preparations to visit Nepal. You have taken it seriously. This is great. (…)

One thing interesting I noticed in your blog. You wrote, „we are literally capable of thinking beyond the church tower.“ This is a great reflection of your mind’s exposure to truth and freedom. Truth cannot be restricted to the four walls of the church, and certainly we should be able to think „beyond the church tower“, to grasp the truth beyond. (John 4:21-23). I am sure, your exposure to another country and other religious practices (other than Christianity) will expose your mind to greater truth, and help you to see brighter horizons.
You also wrote, „I am fortunate to be one of the 10% of the world’s population that does not focus on life-sustaining but on the realisation of life“.  I am really excited to read it. Jesus said, „One thing is necessary; and Mary has chosen it“. I strongly feel that ‚one thing that is necessary‘ is the realisation of life, and I feel you have rightly grasped its importance. You are truly a philosopher. I understand that with this philosophical and reflective mind you will learn many new things from Nepal.
(…)

I am happy that you are prepared to stay in our guest rooms in the campus in spite of its inconveniences and discomforts. Thus we will have more time together. I am happy.

With every good wish,
Yours sincerely,
Michael

Chepang

Gibt man auf Google Chepang ein, bietet die Suchmaschine zuerst die Dokumentation „Chepang-Nepals vergessene Ureinwohner“ in der 3sat bzw. ZDF-Mediathek an. Diese sehenswerten 30 Minuten über die Arbeit von Daniela Jährig und Steffen Schöley, den Initiatoren von LiScha Himalaya e.V., zeigen eindrucksvoll die Lebensumstände der Chepang, die vor gut 50 Jahren in die Region Kankada zwangsumgesiedelt wurden. Die dazugehörige Internetseite bietet Hintergrundinformationen und beeindruckende Bilder vom Volk der Chepang.

LiScha Himalaya folgt bei den Treffern zu Chepang gleich hinter der englischen Wikipediaseite, die allerdings wenig Neues bietet.

Danach kommen die Treffer zu Chepang, einer nepalesischen Metalband, die sich dem Grindcore verschrie(be)n hat. Die angebotenen Snippets dieser Band sind laut, mäßig melodiös und der Gesang ist wie für Grindcore typisch bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Eine internationale Fangemeinde scheint diese Band aber zu haben…auch wenn ich nicht dazu gehören werde.

Die Deutsche Welle brachte 2015 ein Interview mit der deutschen Kulturwissenschaftsstudentin Milena Rabe, die zur Zeit des Erdbebens die Navodaya-Schule besuchte. Sie war dort, wo wir im Oktober sein werden.

Unsere Internetseite der katholischen Kirchengemeinde Heilig-Geist, die mit der Navodaya-Schule direkt verlinkt ist, kommt gleich nach der Deutschen Welle und schafft es zum Thema Chepang auf die erste Seite von Google! Das ist schön und auch ein wenig beeindruckend, es zeigt aber auch, dass das Schicksal der Chepang im großen Weltengefüge ein Schattendasein fristet. Umso wichtiger, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Navodaya-Schule weiter unterstützen und somit jährlich über 200 Kindern einen Schulbesuch ermöglichen.

Navodaya School

 

Die Frage nach dem Warum

Warum Nepal? Ich bin weder ein großer Wanderer noch ein fleißiger Spaziergänger und die Euphorie, wenn es an die jährliche Urlaubsplanung geht, muss von der besten Ehefrau der Welt regelmäßig befeuert werden. Vielleicht liegt es daran, dass ich beruflich in den letzten 30 Jahren das Privileg hatte, viel reisen zu dürfen. Australien, Neuseeland, Südafrika, USA…Island, Skandinavien, Baltikum…wieviele europäische Hauptstädte fehlen noch? Rom…dann muss ich schon überlegen.

Was bleibt? Südamerika? Nein. Russland? Kaum. Der mittlere Osten? Israel oder die Emirate vielleicht. Japan? Unwahrscheinlich. Baden auf Bali? Nö. Tee in Thailand? In Bangkok bin ich mal gelandet…

Warum Nepal? Die kurze Antwort lautet: weil an Klaus‘ Geburtstag ein Glas Wein zum anderen kam und er sich ein paar Tage danach noch immer daran erinnerte. „Inspirierend und visionär“, nannte er die Idee nach Nepal zu gehen.nepal bridge

Diese beiden Adjektive wären mir eher nicht eingefallen. Raus aus der Komfortzone, mal wieder ein Visum beantragen, ein bisschen „Ich bin dann mal weg“ – alles Gründe mit mehr Bodenhaftung, zumal wir in der glücklichen Lage sind, diese Reise durchorganisiert antreten zu können und nicht mit 50 Rupien im nepalesischen Niemandsland nach einer Unterkunft suchen müssen.

Komischerweise sind aber viele Reaktionen auf diese Reise durchaus inspirierend: “Das wäre nicht meine Reise, aber ich verstehe, warum ihr das macht.“ oder „Vor zehn Jahren wäre ich noch mit.“ oder “Ich hatte diese Idee auch, fand aber niemanden, der mitging.“. Gibt es Gelegenheiten, die nie mehr wiederkommen? Einen Zeitpunkt, den man nicht verpassen darf? Kann es sein, dass das Leben nicht wartet?

Vor die Frage gestellt, ob wir die Chepang-Schule mit Flugzeug oder per Auto erreichen wollen, antwortete Klaus: (…) aber ich hätte spontan gesagt, es ist immer gut, wenn die Seele im Tempo mitkommt, deshalb wären ganz spontan die 6 Stunden Countryside mein Favorit. Was meinst Du? Immerhin wäre das unsere erste Überlandfahrt in Nepal und zum Eintauchen in Land und Leute vermutlich die intensivere Variante.

Das war die lange Antwort.

Es gibt kein Zurück…

Nachdem sich die Idee in der Umsetzung befindet und auch die Kommunikation „nach außen“ Fahrt aufnimmt, gibt es jetzt also kein Zurück mehr. Die Trekking-Agentur ist gefunden, Turkish Airlines fliegt uns am 10.10.2018 nach Kathmandu und die Gastfreundschaft von Fr. Michael, dem kirchlichen Vorsteher der Chepang-Schule und Ordensbruder unseres ehemaligen Steinheimer Pfarrers Pater Georg, kennt keine Grenzen.

„What an exciting news you are giving us today!! We are overjoyed to hear that you and Klaus are coming to visit us in October 2018. You are cordially welcome. Steinheim parish is very close to Navodaya Institution and it will be a wonderful occasion to have two of you with us, which will certainly increase our bond together. We will render all what we can to make your Nepal visit a memorable one. You are welcome to stay here as many day as you want. Your longer stay with us will increase our joy.“ 

Was soll man dazu sagen!? Vom 12.-15.10.2018 sind wir Gäste der Chepang-Schule. An diesem Wochenende werden die sog. cultural competitions stattfinden. Was uns da erwartet, weiß ich nicht. Klaus hat bereits angekündigt mit einer Gitarre aktiv daran teilzunehmen – ob die Chepangschülerinnen und -schüler Simon&Garfunkel kennen?

Obwohl es noch über zehn Monate sind, ist Nepal bereits allgegenwärtig und ich beschäftige mich in unregelmäßigen Abständen mit japanischer Enzephalitis, den gefährlichsten Flughäfen der Welt und profanen Dingen wie Schlafsack.
In der kürzlich gesendeten Doku von ntv hat der Flughafen Lukla den zweifelhaften Wettbewerb locker gewonnen.

The aircraft on the runway of the Tenzing-Hillary airport Lukla – Nepal, Himalayas

Die 480m lange und seit 2001 geteerte Start- und Landebahn und die Infrastruktur in Lukla erlauben nur Sichtflüge und die 12%ige Steigung soll verhindern helfen, dass die Propellermaschine am Ende der Landebahn in den Himalaya donnert.

Ich halte es da mit Wilhelm Tell – es führt kein anderer Weg nach Küssnacht bzw. in den Himalaya.

Vielleicht findet Gaby ja ein Bild vom Tenzing-Hillary Airport? Natürlich tut sie das! Wir lesen uns…