I can still feel the breeze

Der erste schöne Frühlingssonntag im neuen Jahr! Kribbelig und neugierig macht sich die zarte Sonne auf der Haut und in der Laune sofort bemerkbar: Draußen weht eine Prise Neuanfang und Optimismus durch die Luft und zu der großen Tasse Kaffee, die ich mir gerade eingeschenkt habe, brauchen ich jetzt noch einen smoothen Sound im Hintergrund – und der kleine, glücklichen Moment mit mir und der Wochenendausgabe der Zeitung wird perfekt!

Ich krame ein bisschen in den Online-Playlists, dann drängt mich mein innerer Beat zum „Tschika-Tscha-Ha-Ha“ von Boyzone, eingebettet im „Notting Hill“-Soundtrack. Ein wenig nostalgisch schwelge ich im Sound der 90er und versinke in meiner Zeitungslektüre.

Dann das: ein einfaches Gitarren-Picking, das wummerige Gejammer ein Bontempi-Orgel, angetrieben von einem Soul-Drum-Beat eröffnen einen Song. Mein Herz stolpert. Ein Geigenregen setzt ein, dann eine verzweifelte, samtige männliche Stimme: Warum hat mir keiner von den Sorgen erzählt? Was lässt die Erde weiterdrehen? Wie kann ein Verlierer jemals gewinnen? Wie schaffst du es, dass die Sonne nicht mehr scheint? Wie kann man ein gebrochenes Herz heilen?

Ich horche auf, und kann nicht mehr von dem Song lassen. „How can you mend a broken heart“, gesungen von Al Green. Ich höre auf Dauerschleife. Die Mischung aus Herzschmerz und Weitergetriebenwerden, Frauenchor und Geigen am Himmel, während unten die Welt zusammenbricht…alles liegt manchmal so nah beieinander…und dieser Song hat dies alles in seinem groovigen Sound, seinem stetigen Aufbau und seinem souligen Drive. Al Green ruft mir zu: „I just wanna live again!“ und – ja, Baby! Die Ladies im Background lassen dich nicht fallen: sie lassen dir alle Möglichkeiten, damit dein gebrochenes Herz bald wieder geheilt ist, und auch die Sonne auch für dich wieder scheint – an diesem wunderbaren Sonntagmorgen tut sie das für uns alle.

Dabei stammt „How can you mend a broken heart“ aus der Feder von niemand geringeren als Barry und Robin Gibb: ein Bee Gees-Klassiker aus dem Jahr 1971! Ihr erster Platz 1-Hit in den US-Single-Charts – aber eigentlich ein ganz anderes Lied…zarter, zerbrechlicher mit den fragil wirkenden Kopfstimmen der Gibb-Brüder – die Harmonien des mehrstimmigen Gesangs sind mir zu soft – zu harmonisch. Ich mag den Beat von Funk & Soul lieber. Ich stoße beim Stöbern im Internet auf einen Artikel auf NME.com – letztes Jahr kam tatsächlich auch eine Dokumentation in Spielfilmlänge heraus „The Bee Gees: How Can You Ment a Broken Heart“. Da ein regulärer Kino-Start im Jahr 2020 schwierig blieb, ist der Film schon als DVD und in anderen Formaten veröffentlicht. Die Rezensionen sprechen von einem sehenswerten Werk…das schaue ich mir in nächster Zeit gerne mal.

Al Green hat den Song schon 1972 für sein Album „Let’s stay together“ gecovert, ihn aber charaktervoll zu seinem eigenem gemacht. Und für diese Version danke ich ihm mit frühlingsvollem Herzen, denn auf dieser süßen Woge zwischen Vergehen und Werden, Loslassen und Hoffen, werde ich sicher noch einige warme Tage mit schwimmen.

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