WineTime – Der Kontrabass oder Corona ist Mist

Boogie Woogie – bloß weg

Es war halt nicht meins. Natürlich ist das Klavier ein schönes Instrument und nachdem wir in Oberschwaben eines zuhause hatten, war der Weg zu Klavierstunden nicht weit. Der langjährige Dirigent des Musivereins Stadtkapelle Bad Waldsee Günter Kuno und meine Deutschlehrerin Frau Fleischer gaben sich alle Mühe…im Gegensatz zu mir. Ich erinnere mich an ein lindgrünes Notenbuch mit Bachstücken und an ein blaues Heft mit Boogie-Woogie, aber an die Melodien nicht mehr. Nicht eine.
Dem Umzug nach Leonberg 1979 folgte ein Vorspiel an der örtlichen Musikschule, um mich für einen der begehrten Plätze für Klavierunterricht zu qualifizieren. Ich spielte ein Stück von Bach aus dem lindgrünen Buch. Das Ergebnis war Warteliste mit wenig Aussicht auf ein kurzfristiges Nachrücken. Aber, so wurde mir mitgeteilt, meine Größe und Statur seien prädestiniert für Kontrabass, ob ich nicht…? Wollte ich nicht. Wie cool ist Kontrabass mit 13? Eben.

Vierzig Jahre später spiele ich Bass. Akustisch und elektrisch. Nicht besonders gut, aber doch mit einer gewissen Leidenschaft und auch mit dem Drang zum gelegentlichen Üben. Klar, Sting spielt besser, Bryan Adams auch, Paul McCartney sowieso, eigentlich spielen alle besser. Aber nicht alle spielen Kontrabass! Wie cool ist Kontrabass mit 54? Eben. Die Schnupperstunde in der örtlichen Musikschule war fix organisiert, das Formular für ein paar Abostunden heruntergeladen und der Leihbass für die Sommermonate gebucht und mit nach Hause genommen…check. Bereit für Oktober 2020!
Die Hülle des Leihbasses riecht „eingesperrt“, fristete sicher im fensterlosen Lager der Musikschule ein trauriges Dasein. Dem 3/4 Kontrabass selber fehlt am Stachel der Gummipfropfen, der Abstand der Saiten zu Griffbrett ist immens groß und auf Arco (Bogen) aus- bzw. eingerichtet, das ganze Instrument „schreit“ Schülerbass für den klassischen Einsatz. Keine optimalen Voraussetzungen für einen motivierten Schüler, der RocknRoll und Swing zupfen möchte. Einen Schüler mit einem gewissen finanziellen Spielraum. Ich könnte doch mal schauen…

Wo kauft man einen Kontrabass? Die Musikalienhandlung mit dem t (sprich d) im Namen preist ihre Bässe ab 600 Euro an…Klimakammerholz aus Rumänien, industriell gehärtetes Holz als Griffbrett, um die Ebenholzwälder zu retten. Schön und gut, aber das ist doch etwas fad. Ein Geigenbauer vielleicht? Vom Schwarzwald bis nach Mittenwald bieten einige wenige, aber dafür wirkliche Künstler vollmassive Meisterbässe an…ab 12.000 Euro. Das Thema „gewisser finanzieller Spielraum“ hat sich damit erledigt.
In den Kleinanzeigen auf ebay tummeln sich die Privatverkäufer – gebrauchte Kontrabässe von „reparaturbedürtig“ bis „spielfertig“, von 1.000 bis 9.000 Euro, die Informationen in den Anzeigen unvollständig bis zweifelhaft. Keine Chance für einen Laien.

B&B mal anders – Bässe bei Bernd

Irgendwann taucht in einem Internetforum der Name Bernd Eltze auf. Als Berufsmusiker hat er eine Homepage, die sich über google leicht findet (www.kontrabassist.com). Die Bildergalerie ist ein Eldorado für alle RocknRoller und alle Vintage-Bands, die sich der Musik der 50-er und 60-er verschrieben haben. Links am Rand taucht die Rubrik „Gebrauchte Bässe & Zubehör“ auf…bingo. Acht oder neun Bässe stehen zum Verkauf, in Holz, in Sunburst, in ungewöhnlichen Lackierungen. Alle mit Steckbrief, alle mit Charakter, alle spielfertig. Ich habe sofort einen Favoriten, zwei andere in der engeren Wahl, und schicke das Formular einfach mal ab.

Nach 30 Minuten klingelt das Telefon „Hallo, hier ist Bernd, Du suchst einen Bass?“. Ich lerne im folgenden Telefonat mehr über Bässe als während der Internetrecherche der letzten Wochen. Ich lerne aber auch, dass Corona für einen Berufsmusiker ohne Auftritte großer Mist ist. Der Verkauf von Teilen seiner Sammlung geschähe „nicht ganz freiwillig“, aber ich wäre herzlich willkommen, mir die Bässe mal anzusehen und probezuspielen.
Als die beste Ehefrau der Welt aus dem Büro kommt, sage ich „Schatz, wir fahren nächste Woche nach Essen“. „Welches Restaurant?“. „Schatz, nicht zum Essen, nach Essen!“. „Welches Essen?“. „Essen im Ruhrgebiet“.

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