…wenn du nur lächelst

Jetzt ist es soweit. Die Maskenpflicht kommt. Es ist beschlossene Sache, das ab kommenden Montag beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ich habe diese Entscheidung gefürchtet. Die C*Krise rückt sichtbar näher. Tag 40.

Die letzten Tage spüre ich immer öfter, welche Spuren 5 Wochen Shutdown in mir hinterlassen. Gefühle durchbrechen bei kleinster Regung unerwartet und ohne Hürde die vermeintlich stabile Fassade. Ohne Zukunft und langfristige Perspektive zu leben, erschüttert mich zusehends. All‘ die Dinge, auf die ich mich oft schon lange Zeit gefreut habe… nichts davon wird stattfinden. All‘ die großen und kleinen Träume… gefühlt muss man ständig alles beerdigen. Sich vertrösten, verarzten auf irdendwann. Kopf hoch, weitermachen. Lächeln. Es wird schon. Irgendwann. Nach der Krise. Es wird schon.

Eigentlich darf ich nicht jammern…die ersten Lockerungen werden diskutiert und wir haben, rückwirkend betrachtet, die ersten 5 Wochen gut überstanden. Doch es ist auch klar, dass es dabei nicht bleiben wird. Der konsequente Kontaktverzicht kann nicht unendlich in die Länge gezogen werden. Die Wirtschaft ächzt unter dem Druck und noch viel mehr lechzen die Menschen nach einer Umarmung und Fürsorge und einem Lächeln. Nach Hoffnung. Einer meiner Horror-Vorstellungen in dieser Krise ist in einem der eingerichteten Not-Krankenhäuser zu liegen, vermummt und schwer krank auf einem Feldbett. Um mich herum nur Vermummte, die verzweifelt und mit letzter Kraft die vielen Kranken versorgen wollen, aber nicht können. Fremde Augen schauen mich aus Ganzkörper-Schutzkleidung an. Der Mund ist nicht zu sehen. Worte schlecht zu verstehen. Kein Lächeln. Dann zu wissen, dass keiner kommen wird, um auch nur kurz bei mir zu sein, meine Hand zu halten, mir ein aufmunterndes Lächeln zuzuwerfen… unmenschlich die Vorstellung, dass Menschen hier, in Italien oder irgendwo anders auf der Welt so mutterseelenallein sterben mussten. Das kann nicht richtig sein. Hinter dem Haus steht der Kühlwagen.

Deswegen fühlt sich dieser Mundschutz auch für mich nicht gut an. Ich verstehe, dass er sinnvoll ist. Vernünftig. Aber ich sehe so gerne ein herzhaftes Lachen, ein verschmitztes Lächeln, eine beleidigte Schnute, eine aufgeregt zitternde Unterlippe, ein nervöses Knabbern, kleine, traurig hängende Mundwinkel, einen verstohlenen Kuss! Das alles bleibt nun an Gefühlen und Menschlichem dahinter verborgen. Deswegen werde ich jede verdammte Gelegenheit nutzen, bei der ich anderen Menschen eine Freude, ein Lächeln schenken kann. Auf dem Markt. An meinem Wägelchen beim Blumen verkaufen, beim Einkaufen-helfen, beim Gottesdienst filmen, beim Masken nähen. Nichts wird uns abgenommen, von dem was kommen wird. Aber wenn es einen Moment voll Hoffnung und Licht bringt, dann ist es gut. Dann lasst es uns machen und lächelt!

Nähanleitung Mundschutz

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