Namche Bazar 19.10.18

Seit ich begann diese Reise zu planen, war Namche Bazar immer im Mittelpunkt. Die Hauptstadt der Sherpas, dieses bunte Amphittheater im Himalaya, übt einen ganz eigenen, besonderen Reiz aus.

Wir machen uns nach einer saukalten Nacht, in einer saukalten, ungemütlichen Lodge in Phaking um 7.00h auf den Weg. Nach 10 Minuten kommt die erste Hängebrücke des Tages über den Fluss Dudh Kosi. Oben kommt langsam die Sonne über die Berge. Wir laufen relativ unspektakulär am Fluss entlang bis der Himalya zum ersten Mal Hallo sagt. Nach Benkar geht es einige richtig mistige Stufen bis nach Monjo hoch, wo wir die Trekking Permits für den Sagarmatha Nationalpark bekommen. 

Es folgt der Abstieg in den Park und danach wieder eine Hängebrücke. Die Stahlseilkonstruktionen machen einen beruhigenden Eindruck und der Boden aus Stahlschienen wirkt solide, gibt aber durch die Ritzen leider den Blick nach unten frei. Rechts und links an den Seiten gibt es Maschendrahtzaun, der bis an die oberen Seile reicht…oder eben nicht! Manchmal zu, manchmal offen und manchmal fehlt ein Stück. Vielleicht nicht so groß, dass ein Mann meiner Statur durchpasst, aber wo sind TÜV und Arbeitssicherheit, wenn manN sie mal braucht?

Wir essen in Jorsalle zu Mittag, um Kraft für den Anstieg nach Namche zu tanken. Es folgt wieder eine Hängebrücke, die wie jede Hängebrücke immer leicht wippt. Es laufen nicht alle im gleichen Schritt oder Rhythmus und das bedeutet, dass bei meinen Schritten der Boden entweder zu früh da ist oder später als erwartet, was jedes Mal eine Schrecksekunde bedeutet. Am Ende der Brücke fragt mich eine Engländerin: „You okay?“. Ich sage ihr, dass diese Dinger nicht meine Freunde sind und sie antwortet: „Oh, I hate them with a passion. Did they tell you about the last one before Namche?“. Ich nicke. „That‘s a real bastard. I almost crawled on that thing“. Na, prima.

Ich weiß von dieser Brücke und finde die Sequenz im Everestfilm toll, aber als sie kurze Zeit später auftaucht, rutscht mir fast das Herz in die Hose. Ein schreckliches Teil. Ich frage Pemba, ob wir nicht die untere Brücke nehmen könnten, aber er lächelt nur: „Lower bridge closed. We take upper bridge, is a shortcut“. Nie im Leben war mir eine Abkürzung mehr egal. Wir verlassen das Flusstal und steigen auf. Ein Schild auf Nepali verrät sicher die Details der Brücke und preist die Ingenieursleistung, aber ich bin nur froh, dass ich es nicht lesen kann. Oben angekommen hängt dieses Ding und ich bitte Pemba vor mir zu gehen. Ich ziehe links einen Handschuh an mit dem ich mich am Seil halte und lege meine rechte Hand auf seinen Rucksack. So überqueren wir in vielleicht 20 Sekunden gemeinsam dieses Scheißding. Das rot-schwarze Mammutlogo seines Rucksacks ist mein Fixpunkt, etwas anderes sehe ich nicht. Wenn es bei dieser Reise auch darum ging, persönliche Grenzen zu verschieben und die Komfortzone zu verlassen, dann war ich bei dieser Brücke genau richtig. 

Was folgt ist ein kräftezehrender, endlos wirkender Aufstieg nach Namche auf einem staubigen Weg durch den Wald. Alles, was es in Namche zu essen, trinken und kaufen gibt, muss hier hoch. Dementsprechend ist viel Betrieb. Touristen wechseln sich mit Yaks und Trägern ab. Einer bleibt mir im Gedächtnis, ein kleiner, dürrer, alter Nepali, der Knoblauch und Zwiebeln nach oben schleppt. Pemba frägt ihn nach dem Gewicht des Korbes und er antwortet auf Nepali 80kg.

Um 14.00h sind wir am Checkpost vor Namche und um 14.30h betreten wir die Stadt. Sechseinhalb Stunden waren wir unterwegs und 800 Höhenmeter haben wir gemacht und jetzt heißen uns die Gompa, die Statue von Pasang Lamu Sherpa, der ersten Nepalifrau auf dem Everest, und bunte, große Maniräder willkommen. So ungefähr habe ich es mir vorgestellt. Wir sind in Namche Bazar auf 3.400m. Wenn die Reise hier zu Ende wäre, dann hätte sie sich schon gelohnt!

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