Unser Weg nach Lukla oder am Ende wird es gut

Klaus und ich wachen vor dem Weckruf (3.45h) auf. Die Nacht vor dem Abflug war unruhiger als erwartet. Wir packen unser Zeugs, schlüpfen in die Merinosachen und sind um 4.30h in der Hotelrezeption. Die Taschen und Rücksäcke legen wir auf die Waage, Übergepäck ohne Ende. Einiges bleibt im Hotel, anderes geht ins Handgepäck und wir hoffen am Flughafen auf ein mildes Urteil. Noch eine schnelle Tasse Tee, denn um 4.45h kommen Mane und Pemba, um uns zu verabschieden bzw. mit uns zum Flughafen zu fahren. Um 5.15h sind wir eingescheckt und die paar Kilo mehr hat man kommentarlos durchgeschoben… bis auf den Rucksack von Klaus, der nicht in die Kabine darf, sondern mit den Taschen mitmuss. Sabei tik chhaa, alles klar.

Um 6.15h fliegt aber niemand nach Lukla, weil sich der Nebel vom Vortag noch nicht verzogen hat. Doch um 8.30h sitzen wir im Bus, die Sonne scheint und die zweimotorige Maschine der Summit Air glänzt auf dem Rollfeld. Wir sind Flug 501, die Nummer 2 heute. Flug 301 darf zuerst, der Bus steht ein paar Meter weiter, vor der zweiten Summit Air Maschine. Unser Pilot steht lässig mit Sonnenbrille vor unserem Flieger mit der Kennung 9AN-AMG und der Batterieschlauch hängt am Flieger.

Ein wichtiger Mann mit Schutzweste verkreuzt plötzlich die Arme vor dem Kopf und ruft in den Bus: „Lukla Airport closed! Back to Terminal“. Beide Busse müssen zurück. Fast.

Charlotte, eine Holländerin bei uns im Bus, erzählt von der deutschen Miriam, die seit zwei Tagen im Terminal hockt, weil Lukla dicht ist. Wir treffen Miriam im Terminal. Sie bewahrt Fassung, ist aber merklich angefressen und denkt darüber nach, ihren Trek nicht zu machen. Doch die Stimme aus dem Lautsprecher vermeldet, dass um 11 Uhr für alle Flüge nach Lukla ein zweiter Anlauf unternommen wird. Gut so. Um 10.40h melden sich zuerst Mane und dann Ines, um die Möglichkeit eines Helikopterfluges für 180 Euro pro Person auszuloten. Lukla ist Lukla und wir kämen sonst eventuell nicht weg. Ich will den Zirkus mit einer weiteren Nacht in Kathmandu nicht machen, sondern nach Lukla. Klaus nickt und so gehen zwei bzw. drei optionale Sitzplätze im Hubschrauber an uns.

Um 11.00h stehen wir erneut vor der Maschine. Die Stimmung im Bus ist blendend. Wir sehen wie Flug 301 neben uns boardet und die Maschine gen Lukla abhebt. Na also, geht doch. Pembas Handy klingelt und er bekommt die Nachricht, dass ein Flieger aus Phablu in Lukla gelandet ist. Janiv aus den USA schaltet sich in die Diskussion ein, sein Guide in Lukla meldet schönes Wetter. Der Bus jubelt „Good Karma“ und „Positive Energy“. Wir frotzeln mit Pemba „Flighttime 6.15h plus five hours“, aber er kontert locker „6.15h Nepali time“. Gelächter im Bus.

Da taucht der wichtige Mann mit der Schutzweste auf und verkreuzt die Arme: „Lukla Airport closed. Flight 301 will return. Back to Terminal“.

Pemba telefoniert wie wild, auch weil wir ihn gebeten haben, den Heliflug für Charlotte zu checken. Das klappt und so stehen wir um 14 Uhr mit unserem Gepäck vor dem Helibüro und treffen Janiv und Gidi, den anderen Israeli, aus dem Bus. Sie haben die Plätze 5 und 6 und wollen auch heute noch nach Lukla. Der Abflug ist für circa 16.00h vorgesehen und Pemba empfiehlt Lunch im Flughafenrestaurant im ersten Stock, das wir durch einen unscheinbaren Treppenaufgang erreichen. Aber, wie könnte es an einem solchen Tag sein: „No lunch after 2pm“. Wir bleiben dennoch sitzen und Klaus schmeißt eine Runde Müsliriegel und Mannerschnitten aus seiner Vesperdose. Janiv packt eine Khumbukarte aus und wir erklären uns gegenseitig unsere Touren. Everest Base Camp gewinnt deutlich. Charlotte will danach noch eine Gruppe erwischen, die auf den Island Peak will, Respekt. 

Ab 15.15h beginnt die Wiegerei, weil die maximale Zuladung an Personen des Helis 450kg beträgt. Gidi, Klaus und ich schießen den Pfeil der Waage locker auf über 100kg, allerdings mit Rucksack und in voller Montur. Die Nepali schwanken zwischen belustigt und erschüttert. Pemba schafft es mit Rucksack gerade mal auf knapp 70kg und meint: „Not good when high weight“. Recht hat er. Bleiben um die 50kg für Charlotte, die sie aber mit Rucksack locker reißt. Der Büromanager ordnet an, die Gruppe auf zwei Helis zu verteilen und Klaus macht sich mit Teilen des Gepäcks auf den Weg – „See you in Lukla“. Der Rest der Gruppe verlässt 20 Minuten später das Terminal und trifft Klaus im Bus! „Der Pilot wollte auf einmal nicht mehr fliegen?!“.

Wir fahren zum Heliport, der hinter der Landebahn liegt. Es ist kurz vor 16.00h. In 90 Minuten ist dunkel, dann fliegt nichts mehr. Nur mit unserem Handgepäck laufen wir zum Heli von Eric „Riddler“ Ridlington und werden ermahnt uns dem Heli nur von vorne zu nähern, da beide Rotoren schon laufen. Charlotte und Pempa dürfen vorne sitzen, wir vier Männer hinten „for balance reasons“. Schönen Dank auch. Angeschnallt warten wir bis der Heli abhebt, was er nicht tut, weil dem Riddler ein Hydrauliklämpchen nicht gefällt. Wir müssen raus und setzen uns vor den Bürocontainer. Die Stimmung ist gut, obwohl wir alle seit über 12 Stunden auf sind. Die Verkleidung des Helis ist aufgeklappt und drei Mechaniker turnen um ihn herum. Der Riddler kommt und sagt, es wäre repariert, aber wir sollten mit Dave fliegen, der in fünf Minuten landet. „Super Dave will take you to Lukla“. Charlotte will wissen, ob Eric bei der National Geographic Serie „Everest Mountain Rescue“ dabei war, was er verneint. Da landet Capt. Dave Peel und wir rennen zum Hubschrauber. „Hop in, guys, quick“, es ist 16.25h. „Keep seat belt fastened at all times“, ruft er, dann hebt das Ding tatsächlich ab. Wir sehen einen Teil von Kathmandu aus der Luft, die größte Shiva-Statue der Welt und einen goldenen Buddha mitten im Wald. Als wir uns dem Himalaya nähern, dunkelt es und es ist wolkig. Nach 40 Minuten kommt Lukla in Sicht, dann sehen wir die Landebahn und um 17.05h setzt Super Dave den Helikopter sicher auf. Auch er bleibt über Nacht, weil er nicht mehr zurückkommt. „Last helicopter, last minute“.

Das Problem an Lukla ist – kommt keiner hin, kommt auch keiner weg. Das bedeutet, dass seit drei Tagen alle in den Hotels und Lodgen hocken und auf Wetterbesserung warten. Dennoch hat Pemba ein Zimmer im Hotel Numbur für uns organisiert, weil wir ja für eine Übernachtung in Phakding eingeplant waren. Ich frage ihn, wie er das gemacht hat: „You need connections and power“. Ich möchte nicht wissen, was Power in Nepal bedeutet. Im Hotel gibt es Tee und Dal Bhat und die Stimmung im Speisesaal ist gut, was aber mehr an der japanischen und holländischen Gruppe liegt, die ihren Trek erfolgreich beendet haben.

Nur mit unseren Klamotten am Leib legen wir uns auf Matratzen mit Rosenmuster und decken uns zu. „Luggage comes tomorrow, no problem“, meinte Pemba. Die Schlafsäcke sind in Kathmandu, wo es 25 Grad hat, hier im Zimmer hat es max. 5. Klaus findet es gut und mir ist es in diesem Moment fast egal. Morgen geht es nach Phakding.

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