Fähnchen im Wind

Draußen ist es kalt. Dauerregen und Wind machen das Wetter widrig und es ist ein behagliches Gefühl, mit einer warmen Tasse Kaffee zu Hause zu sein. Unter der Terrasse vor unserem Haus baumeln bunte Fähnchen. Immer wieder reißt der Wind forsch an ihnen als wolle er mit aller Kraft herausfinden, wer den stärkeren Atem hat. Doch was immer auch drum herum passiert: sie tanzen mit ihm, aber fliegen nicht davon. Sie leuchten mit ihren Farben Blau, Grün, Gelb, Rot und Weiß gegen die grauen Wolken und die düsteren Windböen. In der Mitte ist ein Reiter abgebildet, auf einem wilden Pferd, drum herum steht etwas in tibetanischen Schriftzeichen. Es ist eine Gebetsfahne aus Nepal. Auf Tibetanisch heißt sie „rlung rta“, zu deutsch: Windpferd. Die Fähnchenkette ist ein besonderes Geschenk für mich, über die halbe Welt wurde sie zu mir nach Hause gebracht.

Fähnchen im Wind

Im Buddhismus werden sie von den Gläubigen bis zur vollständigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt. Der Wind trägt die Gebete, die auf ihnen stehen, in den Himmel. Das Windpferd hilft ihm dabei. Mir wird klar, dass sie ein Team sind – keine Gegner.

Besonders gefällt mir die Bedeutung der der fünf Farben. Sie stehen für die vier Elemente, die unser Leben elementar beeinflussen: Weiß verkörpert die Luft, die wir zum Atmen brauchen, die mit dem Wind und den Wolken zieht. Wasser, das alles Leben zum Erwachen und Blühen bringt, wird durch die Farbe Grün dargestellt. Die Erde, als Schoß allen Lebens trägt die gelbe Fahne. Und natürlich das Feuer – Rot. Aber was ist das 5. Element?
Mir kommt in den Sinn, dass auch Luc Besson in einem gleichnamigen Film seinen Helden Korben Dallas alias Bruce Willis genau auf diese Suche geschickt hat. Abgefahren, verrückt und total verquer in einem bunten Science-Fiction-Spektakel. Aber am Ende vom Film erinnere ich mich, wie mich der Fund dieses Elementes tief berührt hat: Die Liebe. Und ja, das glaube ich: bei allem was wir tun und was wir leben ist die Liebe das wichtigste Element. Sie macht alles Handeln wertvoll, sinnvoll und schenkt uns für unser Tun diese einzigartige Freude im Herzen, die unser Feuer am Brennen hält, die uns trinken und gießen lässt, die Erde bereit machen und Atem holen lässt.

In meiner Gebetsfahne ist das fünfte Element die Farbe Blau und steht für den Raum und das Zentrum, die wir zum entfalten und Sein brauchen. Ich bin überzeugt, dass es die gleiche Bedeutung hat: diesen Raum gibt uns nur die Liebe. Als Zentrum allen Seins.

In unserem wilden Alltag, der nach der Nepal-Reise wieder volle Fahrt aufgenommen hat und manch‘ unerwartetes Abenteuer bereit hält, schicke ich auch das ein oder andere Stoßgebet in den Himmel. Dann gucke ich auf meine Fähnchen und freue mich der Gewissheit, dass das Windpferd und die Liebe alles richten wird.

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