Gelassenheit und ein Schuss Nepali-Mentalität

Für Klaus poste ich noch einmal seinen Beitrag aus Nepal:

Mein Fazit der Reise

Das Ende unserer Nepal-Reise naht, morgen ist Rückflug. Grund und Gelegenheit auch für mich, ein Abschlussfazit zu ziehen.

Wenn Reisen für mich ein Ziel haben, dann ist es – das Reisen. In diesem Fall das gemeinsame Reisen und Unterwegssein. Ich wollte mit Michele gemeinsam diese Reise beginnen, durchleben und beenden. Ich wollte mit ihm die Beobachtungen und Erlebnisse teilen und z.B. gemeinsame Blickwinkel auf vermeintlich grandiose Bergwelten richten. Ich wollte verschiedene Blickwinkel, Eigenheiten und Stimmungslagen erfahren und aushalten und wollte nach so vielen Jahren im hektischen Dauer-Erledigungsmodus eindlich wieder Zeit haben. Schließlich wollte ich mit Michele aus Anlass dieser Reise auch unsere Solidarität mit der Chepang-Schule ausdrücken.

Ob diese Ziele umgesetzt oder erreicht wurden, lässt sich teilweise nicht an einem einzigen Ereignis oder einer einzelnen Wegmarke festmachen. Deshalb will ich es so ausdrücken: Alle Ziele sind eingetreten. Wir konnten einen gemeinsamen Blick auf die höchsten Gipfel der Erde richten. Wenn man einen Blick teilen kann, wird er dadurch doppelt bedeutsam und wertvoll. Wobei mich im Unterschied zu Michele noch mehr als der weiter entfernt liegende Mt. Everest die unmittelbar vor uns aufragenden, zum Teil völlig unbekannten 6.000er fasziniert haben.

Wir haben unterschiedliche Lauftempi bewältigt, teilweise unterschiedliche Motivationszustände gegenseitig kompensiert, sind selbstverständlich gemeinsam umgedreht als es nicht mehr weiterging, und haben uns auf alles eingelassen, was Land und Leute für uns bereit hielten.
Zum Beispiel die kulinarischen Angebote, wobei das die leichteste Übung war, weil es einfach grandios schmeckte. Ich für mich habe gelernt, dass man auch das vermeintlich Unmögliche, wie etwa die Verhältnisse im hiesigen Staßenverkehr, am Besten bewältigt wie alles hier: durch Gelassenheit.

Dass bei uns beiden die Erkältungen jeweils dann kamen, als die Motivation am Boden war, bei Michele in Khumjung in den Bergen und bei mir am Ende in Kathmandu, ist auch ein besonderes Lehrstück über die Kraft und den Einfluss der mentalen Stärke auf die Gesundheit. Für mich waren’s am Ende von den 3,5 Tagen mindestens 2 Tage zuviel in Kathmandu. Nach den Bergen nochmals in den Moloch dieser Stadt, in ihren Dreck und Gestank einzutauchen, hätt’s für mich nicht gebraucht.
Aber das soll den positiven Gesamteindruck nicht trüben! Auch das schöne Hotel hat hier viel aufgefangen.

In der Chepang-Schule habe ich es als besonders wichtig empfunden, dass nach 10 Jahren Spendenarbeit einmal Vertreter unserer Kirchengemeinde, so wie wir zwei als Kirchengemeinderäte, vor Ort sind und durch ihre Anwesenheit und ihr Interesse eine Solidarität vermitteln, die sich durch kein Geld dieser Welt erkaufen lässt. Diese Schule ist so wichtig für die benachteiligten Chepang-Kinder und muss unbedingt weiter gefördert werden!

Insgesamt haben ein breites Spektrum an Reiseerfahrungen und -erlebnissen, sowieso das gemeinsame Reisen mit Michele, diese Reise zu etwas Besonderem, Unvergesslichem gemacht. Danke darf ich an dieser Stelle auch Gaby, meiner lieben Ehefrau, sagen, die mir diese Reise dadurch erst ermöglich hat, dass sie zuhause in unserer kleinen Großfamilie die Stellung gehalten und mir den Rücken freigehalten hat. Der gemeinsame Tanzkurs, den sie mir als Ausgleich abgerungen hat, ist da leicht zu machen.

So fliege ich morgen also insgesamt zufrieden zurück. Ein leicht ungutes Gefühl habe ich vor dem anstehenden Dauer-Erledigungsmodus der nächsten Monate, aber: mit Gelassenheit und einem Schuss nepalesischer „no problem“-Mentalität sollte das – wie so vieles in meinem Leben – zu schaffen sein.

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